Sie sind hier: Startseite / Presse / Presse-Mitteilungen

Presse-Mitteilungen

Ansprechpartner

Frank Maurer, Tel.: 02151 4111-410, Mail: maurer~milch-nrw.de


2008 in aller Munde: Die Milch

08.01.2009

Nicht nur sprichwörtlich, sondern auch durch ihre Medienpräsenz war die Milch im abgelaufenen Jahr in aller Munde. Auf ihrer Jahrespressekonferenz am 08. Januar 2009 informierte die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW e. V. (LV Milch NRW) über die turbulenten Entwicklungen rund um die Milch in 2008. Geschäftsführer Dr. Reinhard Pauw erläuterte aktuelle Fakten sowie die Perspektiven auf dem Markt für Milch und Milchprodukte im Jahr 2009.

MILCH IM MARKT

Milch - Milchpreise, Milchkonsum, Milchlieferboykott, Milchquotensystem, Milchgipfel … Wie selten zuvor habe die Milch in 2008 im Mittelpunkt des Interesses bei Medien, Verbrauchern, Verarbeitern und Erzeugern gestanden. Auslöser der Turbulenzen sei die Preissenkung des Handels gewesen, der im Frühjahr den Angebotsüberschuss auf dem Milchmarkt genutzt hatte, um deutliche Preisnachlässe seiner klassischen „Lockvogelprodukte“ gegen die Molkereien durchzusetzen. Die Folge sei ein regelrechter Preissturz gewesen, der zu niedrigen Verbraucherpreisen und - die Kehrseite der Medaille - drastischen Erlöseinbußen bei den Milchproduzenten geführt habe.

Im Vertrauen darauf, dass sich die seit Ende 2007 vergleichsweise hohen Auszahlungspreise fortsetzen, hatten die Milcherzeuger im ersten Halbjahr 2008 überreichlich Milch an ihre Molkereien angeliefert. Eine von der EU gegen den Willen Deutschlands durchgesetzte Erhöhung der Milchquote um insgesamt 2,5 Prozent habe zusammen mit Überkapazitäten auf dem Weltmarkt zu einem bisher nicht gekannten Angebotsdruck am Markt geführt. Gleichzeitig sei der Verbrauch an Milch und Milcherzeugnissen gesunken. Die weiterverarbeitende Industrie habe aufgrund der zuletzt hohen Preise bereits Ende 2007 Milchbestandteile in ihren Rezepturen durch andere Produkte ersetzt. Zusätzlich haben die Verbraucher in Deutschland durch eine deutlich ausgeprägte Kaufzurückhaltung die Nachfrage geschwächt. Die Abschaffung der Exporterstattungen für Butter und Magermilchpulver, in der Vergangenheit ein wirksames Instrument zur Beseitigung von Marktüberschüssen, habe ihr übriges zu der schwierigen Lage beigetragen. In dieser Situation hat der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bei den turnusmäßig anstehenden Kontraktverhandlungen Ende September seine Preisvorstellungen gegenüber den Molkereien in vollem Umfang durchgesetzt. Seit Anfang November seien die Preise für das komplette weiße Sortiment an der Ladentheke um bis zu 20 % gesunken. Der Verbraucher profitiere derzeit von niedrigen Produktpreisen. Die Milcherzeuger haben derweil das Nachsehen. Ihre Preise seien Ende 2008 wieder auf dem Niveau von 2006 angekommen und dies bei deutlich gestiegenen Vorkosten für Futter, Dünger und Energie.

Markt - Das knappe Angebot auf dem Weltmarkt habe 2007 zu einer nicht vorhergesagten Preissteigerung für Milch und Milcherzeugnisse geführt und damit einen Teil der Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft bestätigt: „Geringes Angebot = hoher Preis“. Die Lehre aus den Entwicklungen des Jahres 2008 heiße, dass auch der andere Teil der Marktgesetze, „hohes Angebot = niedriger Preis“, in der Milchbranche Gültigkeit habe.


Nach Expertenaussagen würden die bisher in der Milchwirtschaft nicht üblichen kurzfristigen Preis- und Mengenausschläge zukünftig das Geschehen am Markt bestimmen - wie es bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch der Fall sei. Mittel- bis langfristig seien die Aussichten auf höhere Preise günstig. Die Weltmarktnachfrage werde steigen und denjenigen zu besseren Erlösen verhelfen, die sich um die Entwicklung der Exportmärkte bemühen. Die in Nordrhein-Westfalen tätigen Molkereiunternehmen hätten hier bereits gute Grundlagen geschaffen.

Das Jahr 2008 habe eine weitere Erkenntnis gebracht: „Verbraucher reagieren auch angesichts der drohenden Finanz- und Wirtschaftskrise sensibler auf die Änderung der Preise von Trinkmilch und Milcherzeugnissen, als dies in der Vergangenheit der Fall war“. Über den gut aufgestellten deutschen LEH werde damit unmittelbar Druck auf Molkereien und Milcherzeuger ausgeübt. Für die Milchwirtschaft erwachse daraus die Herausforderung, dem derzeit dominierenden LEH durch eine Verbesserung der Molkereistruktur als starker Verhandlungspartner gegenüberzutreten.

Nordrhein-westfälischer Milchmarkt

Im Jahr 2008 habe sich die Zahl der NRW-Molkereiunternehmen mit eigener Milchanlieferung und -verarbeitung von 10 auf 9 reduziert. Der Konzentrationsprozess habe sich somit auch im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Im Jahr 2008, so Dr. Pauw, wurden in NRW 2.670.243 Tonnen Milch produziert. Die in NRW erzeugte Milchmenge sei im Vergleich zum Vorjahr damit um 0,4 Prozent angestiegen. Auf der Erzeugerseite habe sich der Strukturwandel fortgesetzt. Nach den Informationen des Statistischen Landesamtes sei die Anzahl der Milchkuhhalter lt. Novemberzählung um 3,5 Prozent gefallen, die Anzahl der Milchkühe hingegen sei um 0,6 Prozent angestiegen. Die durchschnittliche Kuhzahl der Milchviehhalter in NRW sei um 5,4 Prozent auf 43 Kühe gestiegen.

Im Zeitraum Januar bis November 2008 habe der Auszahlungspreis mit durchschnittlich 35,56 Ct./kg ab Hof bei 3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß ohne MwSt. um 3,11 Ct./kg bzw. 9,6 Prozent über dem Preis des Vorjahreszeitraums gelegen. Der Anstieg der Auszahlungspreise war für die Milcherzeuger nach jahrelangen Rückgängen dringend erforderlich. Allerdings dauerte dieser Höhenflug nur kurze Zeit. Anfang 2009 zahlen die Molkereiunternehmen bereits deutlich weniger als 30 Ct./kg an ihre Milchlieferanten aus.

Die Herstellung von Konsummilch und Milcherzeugnissen insgesamt habe im Jahr 2008 mit rund 1,723 Mio. Tonnen 0,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum betragen. Der H-Milch Anteil, der nach wie vor leicht steige, liege bei rund 55 Prozent der insgesamt hergestellten Konsummilch. NRW liege somit deutlich unter dem H-Milch-Anteil von ca. 61 Prozent auf Bundesebene.

Dem Wunsch des LEH nach länger haltbarer Konsummilch hätten die Molkereiunternehmen in NRW durch den verstärkten Einsatz weiterentwickelter Technologien zur Verbesserung der Haltbarkeit entsprochen.


Dateien zum Download:

Presseinfo_01_09.pdf59 K


Zurück zur Übersicht