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Presse-Mitteilungen

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Frank Maurer, Tel.: 02151 4111-410, Mail: maurer~milch-nrw.de


Das Jahr 2009: Krisenjahr mit Perspektiven

06.01.2010

Der Milchmarkt hat Erzeugern, Molkereien und Verbrauchern 2009 im dritten aufeinanderfolgenden Jahr eine Fortsetzung der extremen Preisausschläge für Rohmilch und daraus hergestellte Erzeugnisse gebracht. Die Hintergründe dieser außergewöhnlichen Situation erläuterte die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW e.V. (LV Milch NRW) auf ihrer Jahrespressekonferenz
am 06. Januar 2010 im Zentrum Agrar- und Milchwirtschaft NRW in Krefeld.
Geschäftsführer Dr. Reinhard Pauw stellte Ursachen und Auswirkungen dieser Marktlage in Zusammenhang und erläuterte die Perspektiven für 2010.

2009: Milch in der Krise
Der Milchmarkt sei in 2009 von einem erheblichen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gekennzeichnet gewesen. In der Folge eines rapiden Preisverfalls für Rohmilch hätten die Milcherzeuger in Nordrhein-Westfalen und Deutschland zum Ausgleich ihrer Erlösrückgänge die Milcherzeugung stark ausgedehnt. Im Vergleich zum Vorjahr sei in Nordrhein- Westfalen eine um 6 Prozent höhere Milcherzeugung registriert worden. Diese Angebotsausdeh- nung, so Dr. Pauw, traf auf eine auch durch die Weltwirtschaftskrise beeinflusste deutliche Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern, weiterver- arbeitender Industrie und Handelspartnern im Ausland. Insbesondere die Nachfrage nach Trinkmilch und Joghurterzeugnissen sei gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres spürbar rückläufig gewesen. Zur beobachteten Kaufzurückhaltung habe möglicherweise auch die andauernde Diskussion um die Herstellungsverfahren für Frischmilch und deren Kennzeichnung beigetragen. Der Angebotsüberhang habe die Molkereiunternehmen zu erheblichen Preiszugeständnissen gegenüber
dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gezwungen. Diese hätten 2009 zu mehreren Preissenkungsrunden an den Ladentheken geführt. Die Verbraucher hätten von dieser Marktlage profitiert und konnten z. B. Butter zu Preisen erstehen, wie zuletzt vor 30 Jahren. Die Vorteile für die Konsumenten seien das Leid der Landwirtschaft. Die Erzeugerpreise seien im Laufe des Jahres 2009 von anfänglich ca. 30 Ct. pro Liter bis auf rund 21 Ct. im Juli gefallen und lagen
damit um mehr als 30 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Die wirtschaftlichen Bedingungen vieler Milcherzeugerbetriebe seien existenzgefährdend. Die EU habe aus diesem Grund ihre Marktordnungsnstrumente der Intervention und Exporterstattung angewendet und damit einen weiteren Preisverfall für den Rohstoff Milch verhindert.

2010: Milch kann mehr
Gegen Ende des Jahres 2009 seien erste Tendenzen einer Trendwende zu erkennen gewesen. Die Preise für einige Leitprodukte wie z. B. Butter und Trinkmilch seien anstiegen und hätten in der Folge auch für verbesserte Erlöse der Erzeuger gesorgt, die mit rund 26 Ct. pro Liter zum Jahreswechsel jedoch noch immer deutlich unter dem Soll gelegen haben. Neben der insgesamt
geänderten Marktlage habe die Bündelung des Angebotes auf Molkereiseite und die damit verbundene Verbesserung der Verhandlungsposition gegenüber dem LEH zu der beobachteten Trendwende beigetragen. Zur Unterstützung dieser ersten positiven Signale hätten alle am nordrhein-westfälischen Milchmarkt beteiligten Partner - mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und organisiert durch die LV Milch NRW - die Kampagne „Milch kann mehr!“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Aktion sei es, die Wertigkeit des Produktes Milch für die Verbraucher erfahrbar zu machen sowie über die Vielfalt der heimischen Milchprodukte zu informieren. Sympathieträgerin der Kampagne sei die Milchkuh „Lotte“. Die schwarz-bunte Persönlichkeit mit der blonden Tolle punkte bei jeder Altersgruppe mit Sonnenbrille, breitem Kuhgrinsen und umfangreichem Wissen über ausgewogene Ernährung, Milcherzeugung und –verarbeitung. Clever, witzig und immer einen coolen Spruch parat sei Lotte in ganz NRW unterwegs und präsent. Auf vielen Bauernhöfen habe Lotte Plakate mit ihren Empfehlungen zur Milch aufgestellt. Bei Wanderungen auf den Milchwegen entdecke man die Milchkuh genauso wie beim Geo-Caching, wo sie für eifrige Sucher tolle Gewinne versteckt hat. Mit dem „Lotte-Mobil“ sei sie in ganz NRW auf Achse und immer in Sachen Milch unterwegs. In Kooperation mit dem LEH weise Lotte am Kühlregal auf die Vielfalt der Milchprodukte aus heimischer Produktion hin. Unter www.milch-kann-mehr.de hat Lotte ihr virtuelles Zuhause bezogen. Auf ihrer Internet-Seite gebe sie Informationen über Veranstaltungen, Rezepte, Filme, ihre virtuelle Identität im schülerVZ und vieles mehr. Lotte weiß eben Bescheid und hält eine Vielzahl von Podcasts bereit. „Milch kann mehr!“ stehe für gute Ernährung, landschaftliche Kulturpflege mit auskömmlichen Einkommen der Milchbauern und für Sicherung der Arbeitsplätze in der nordrhein-westfälischen Molkereiwirtschaft.

Nordrhein-westfälischer Milchmarkt in Zahlen
Im Jahr 2009 so Dr. Pauw, wurden in NRW 2.840.445 Tonnen Milch produziert. Die in NRW erzeugte Milchmenge sei im Vergleich zum Vorjahr damit deutlich um 6,1 Prozent angestiegen. Auf der Erzeugerseite habe sich der Strukturwandel fortgesetzt. Nach den Informationen des Statistischen Landesamtes sei die Anzahl der Milchkuhhalter lt. Novemberzählung um 4,1 Prozent gefallen, die Anzahl der Milchkühe hingegen bliebe mit einem nur leichten Rückgang von 0,6 Prozent relativ konstant. Die durchschnittliche Kuhzahl der Milchviehhalter in NRW sei um 3,8 Prozent auf 44 Kühe gestiegen. Im Zeitraum Januar bis November 2009 habe der Auszahlungspreis mit 23,98 Ct./kg ab Hof bei 3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß ohne MwSt. um 11,69 Ct./kg bzw. 32,8 Prozent unter dem Preis des Vorjahreszeitraums gelegen. Ein moderater Anstieg der Auszahlungspreise konnte zwar im letzten Quartal verzeichnet werden, jedoch nicht in einer von allen Marktteilnehmern dringend benötigten Dimensionierung. Die Herstellung von Konsummilch und Milcherzeugnissen insgesamt habe im Jahr 2009 mit rund 1,713 Mio. Tonnen 0,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum betragen. Der H-Milch Anteil liege bei rund 59 Prozent an der Konsummilchmenge insgesamt. Der Schulmilchabsatz in Nordrhein-Westfalen sei von Januar bis Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum trotz rückläufiger Schülerzahlen um 5,2 Prozent gestiegen. NRW sei das einzige Bundesland, in dem ein deutlich höherer Schulmilchabsatz erzielt werden konnte.


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