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Presse-Mitteilungen

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Frank Maurer, Tel.: 02151 4111-410, Mail: maurer~milch-nrw.de


Der NRW-Milchmarkt in der ersten Jahreshälfte 2009

10.07.2009

Sieger und Verlierer im Preiskampf am Milchmarkt

Auf der Halbjahrespressekonferenz erläuterte Dr. Reinhard Pauw, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e.V., die Lage auf dem NRW-Milchmarkt. Dort bestimme derzeit ein Angebots- und Absatzproblem die Situation mit der Folge eines übervollen Marktes.

Zur Sicherung des Betriebseinkommens versuchen die Landwirte, die aus der Marktlage resultierenden niedrigen Auszahlungspreise durch eine Ausdehnung der Milcherzeugung auszugleichen. Sie befinden sich dabei in einem Teufelskreis, da die erhöhten Mengen bei gleichzeitigem Absatzproblem den Druck auf die Preise verstärken. Der NRW-Auszahlungspreis ist von 36,6 Cent im Vergleichszeitraum 2008 auf derzeit 25,2 Cent um 31% drastisch gesunken,
mit der Folge, dass zahlreiche Betriebe mit massiven Liquiditätsproblemen kämpfen und auch für die rentabelsten unter ihnen eine wirtschaftliche Milcherzeugung z. Zt. nicht möglich ist.

Auch die Molkereien verzeichnen durch nachlassenden Absatz momentan erhebliche Umsatzeinbußen. Rückgänge beim Export, die ihre Ursache auch in der Weltwirtschaftskrise haben sowie die Verarbeitung überschüssiger Mengen zu Interventionserzeugnissen mit der schlechtesten Verwertung tragen maßgeblich zur negativen  Geschäftsentwicklung bei. Die Marktordnungsbestände der EU als Ventil für die Entlastung des Marktes sind in der Folge drastisch angewachsen. Erst nach dem Abbau dieser Mengen ist eine Erholung der Auszahlungspreise zu erwarten. Des weiteren ist der Absatz von Milch und Milchprodukten in Deutschland durch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trotz starker Preisreduktionen durch den Handel rückläufig.

Die Erzeuger sind die Verlierer bei dieser Marktlage. Auszahlungspreise auf dem derzeitigen Niveau sind existenzgefährdend. Auch die Molkereien sind insgesamt als Verlierer im Marktgeschehen einzuordnen. Notwendige Erlösverbesserungen konnten gegen die aggressive Preispolitik des Handels nicht realisiert werden. Der Handel scheint vordergründig als Gewinner dazustehen, da er das Überangebot an Milch zur Senkung der Preise genutzt hat. Ausgeblieben ist jedoch die erwartete Absatzsteigerung. Niedrigerer Preis und weniger Menge ergeben in der Summe ein Minusgeschäft. Eindeutiger Gewinner ist der Verbraucher, der Lebensmittel in gewohnt höchster Qualität zu Niedrigstpreisen erstehen kann. Momentan nutzt er diesen Vorteil jedoch nicht.

Milch ist immer noch „in aller Munde“. Es stellt sich allerdings die Frage, ob sie nicht unberechtigterweise auch zunehmend „ins Gerede“ kommt. Die Diskussionen um niedrige Milchpreise, um die verbrauchergerechte Kennzeichnung von Konsummilch und um den Einsatz von Imitaten
scheinen eine Eigendynamik entwickelt zu haben, die die ohnehin schwierige Situation am Markt noch verstärkt. Sind bei den niedrigen Endverbraucherpreisen mittlerweile Grenzen überschritten, die für den Verbraucher nicht mehr die gewohnt hohe Qualität von Milch und  Milcherzeugnissen erwarten lassen?


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