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Presse-Mitteilungen

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Frank Maurer, Tel.: 02151 4111-410, Mail: maurer~milch-nrw.de


Forum Milch NRW 2012 in Werl

07.09.2012

„Milchproduktion zwischen globaler Verantwortung und regionalen Ansprüchen“ war Thema und Herausforderung zugleich für die Teilnehmer beim 6. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) am 6. September 2012. Kann oder muss die deutsche Milchwirtschaft angesichts der wachsenden Zahl von Menschen ihren Beitrag zur Versorgung mit Lebensmitteln leisten? Die heimische Milchproduktion steht im Spannungsverhältnis, ihrer Verantwortung für die Welternährung gerecht zu werden und den Forderungen nach regionaler Erzeugung nachzukommen. Rund 100 Entscheidungsträger aus der Land- und Molkereiwirtschaft diskutierten dieses Thema am runden Tisch der Milchwirtschaft in Werl. Hans Stöcker, rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW, unterstrich die Chance, im Forum Milch NRW unterschiedliche Perspektiven und Ansichten zu bündeln und einen Meinungsaustausch für die gesamte Branche zu realisieren.

Neben der Erschließung von regionalen Märkten stellte Dr. Ludger Wilstacke vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW die Stärkung der Marktstellung der Milcherzeuger als Kernanliegen der Landesregierung dar. Wiederholt habe sich gezeigt, dass der einzelne Milcherzeuger auf dem Markt eine schwache Stellung habe. Daher sei es notwendig, dass EU-Milchpaket schnell und ohne Einschränkungen umzusetzen. Er rief die Milcherzeuger dazu auf, die nunmehr gegebenen Möglichkeiten zur Bildung von Erzeugerorganisationen und Branchenverbänden auch zu nutzen.

Vom Institut für Agrarpolitik und landwirtschaftliche Marktlehre der Universität Hohenheim referierte Prof. Dr. Harald Grethe zum Thema „Tierschutz, Umweltschutz und Welternährung – Zielkonflikte in der Milcherzeugung“. Die Sicherung der Welternährung sei kein Grund für die Politik zur Intensivierung der Landwirtschaft in der EU, allerdings würden voraussichtlich Preisanreize in diese Richtung gehen. Grethe erwartet steigende gesellschaftliche Ansprüche (Tier-/Umweltschutz) an nicht marktgängige Leistungen der Landwirtschaft und rät den Landwirten, diesen zu entsprechen. Auch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit moderner Landwirtschaft sei erforderlich. Wichtig ist eine Versachlichung um heiß diskutierte Themen wie z.B. „Massentierhaltung“ oder „Klimaschutz“, die immer im Kontext mit einer notwendigen Wirtschaftlichkeit betrachtet werden müssten. Als Leitbild sieht Prof. Grethe die Produktion von Milch und Milchprodukten in der EU, die sich an Marktpreisen in offenen und weltmarktintegrierten Märkten orientiert. Denn offene Märkte würden globale Preisschwankungen dämpfen und Produktionsmengen anpassen. Zudem erwartet er, dass sich die Produkt- und Produktionsqualität an gesellschaftlichen Erwartungen bezüglich Tier- und Umweltschutz sowie Landschaftsbild orientieren. Die Rolle der Politik sei es, die Quote abzuschaffen und hohe Mindeststandards in Bezug auf Tier- und Umweltschutz in einem liberalisierten Markt zu generieren.

Von der Deutschen Kommission Justitia et Pax stellte Dr. Hildegard Hagemann „Ethische Überlegungen für die Gestaltung eines zukunftsorientierten Milchmarktes“ vor. Ist der „Milch-Markt-Gerecht?“ In Anbetracht des bei rund 1 Mrd. Menschen auf der Welt herrschenden Hungers, der auf Verteilungs- und Gerechtigkeitsprobleme zurückzuführen sei, so Hagemann, wohl kaum. Nicht der Markt, sondern die nationale Agrarpolitik eines jeden Landes sei gefordert, den Problemen durch gute Rahmenbedingungen zu begegnen. International seien Regierungen gefordert, Kriterien für Markt-Gerechtigkeit als Leitlinien zu formulieren und die aktiven Handelsaktivitäten vor diesem Hintergrund zu überprüfen. Benachteiligten sollte durch Kontroll- und Beschwerdemechanismen ermöglicht werden, auf Missstände hinzuweisen. Konsumenten, Produzenten und Handel seien gleichermaßen gefordert, stärker auf die Bedürfnisse der Ärmsten einzugehen.

Über die „Globalen Herausforderungen der Nahrungsmittelindustrie“ berichtete Hubert Stücke, Mitglied des Vorstands der Nestlé Deutschland AG. „Wertschöpfung für die Gemeinschaft und für das Unternehmen“, so der Vertreter des größten Nahrungsmittelherstellers der Welt, „sind kein Widerspruch sondern die Grundlage für langfristigen Erfolg.“ Um dauerhaft erfolgreich zu sein sei es entsprechend der grundlegenden Geschäftsphilosophie von Nestlé notwendig, Werte für die Aktionäre und für die Gesellschaft zu schaffen. Mit Blick auf globale und spezifische Herausforderungen der Ernährungsindustrie untermauere auch die unternehmenseigene weltweit größte private Forschungskapazität im Ernährungsbereich die Ausrichtung auf langfristigen Erfolg. International werde zur Sicherung des Rohstoffgeschäfts in Drittweltländern der Blick „über die Tasse hinaus“ gerichtet. Auch im Milchbereich gebe es Unterstützungsprogramme in über 30 Ländern. Seine Devise für den deutschen Zukunfts-Markt: „Verbraucher-Vertrauen gewinnen durch Qualität“

Moderiert von top agrar Chefredakteur Dr. Ludger Schulze Pals nutzten die rund 100 Teilnehmer die Gelegenheit, die angesprochenen Aspekte eingehend mit den Referenten zu diskutieren und zu vertiefen.


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