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Frank Maurer, Tel.: 02151 4111-410, Mail: maurer~milch-nrw.de


Forum Milch NRW 2016 in Werl

31.08.2016

„Brot für die Welt – Milch auch?“ Diese Frage diskutierten die Teilnehmer beim 10. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) am 1. September 2016. Die heimische Milchwirtschaft sowie der weltweite Handel mit Milchprodukten stehen aktuell wieder im Mittelpunkt gesellschaftspolitischer Diskussionen. Das Anwachsen der Weltbevölkerung um 3 auf 9,7 Milliarden Menschen sei eine Herausforderung, die Chancen und Risiken für die Milchbranche beinhalte, so Wilhelm Brüggemeier, Westfälischer Vorsitzender der LV Milch NRW. Er forderte die Branchenvertreter dazu auf, sich den Fragen zu stellen und den Dialog stärker mitzugestalten und sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen.

Vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW überbrachte Abteilungsleiter Peter Hettlich Grüße der Landesregierung und ging auf die Bedeutung der Milchviehhaltung für die heimische Landwirtschaft und ihre vielfältigen Funktionen im ländlichen Raum ein. „Diese könne sie nur erfüllen, wenn die Milcherzeuger ein vernünftiges Einkommen erwirtschaften. Leider habe sich in der aktuellen Milchkrise gezeigt, dass der Weltmarkt große Risiken birgt und es sich lohnt, wieder mehr Augenmerk auf die heimischen Märkte zu legen. In der Summe würde es den Bäuerinnen und Bauern weder hier noch in der Welt helfen, wenn es nur darum geht, Übermengen abzusetzen. In Ländern der Dritten Welt sei die Gefahr einfach zu groß, die dortigen Strukturen zu zerstören und auch hierzulande seien die Preise ja nicht auskömmlich.“

Nach der Abschaffung der Milchquote führe die weitere Intensivierung der Milchproduktion zu einer Überproduktion und damit zu einem ruinösen Preisverfall. Ein Teil der Überschüsse werde als Milchpulver zu Tiefstpreisen nach Afrika exportiert. Mit dieser billigen Milch könnten lokale Milchproduzenten z. B. in Burkina Faso nicht konkurrieren. „Sie verlieren so ihr Einkommen und damit ihre Lebensgrundlage. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.“, fordert Katja Breyer von „Brot für die Welt“.

Dr. Malte Rubach hat sich in seinem Buch „Plädoyer für die Milch“ intensiv mit dem Lebensmittel auseinandergesetzt. Er vertritt die Ansicht, Milch sei kulturübergreifend und weltweit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Milch und Milchprodukte lieferten sowohl in Entwicklungs-, Schwellen- und entwickelten Ländern einen hohen Gesundheitswert bei vergleichsweise guter Ökoeffizienz. „Milch für die Welt“ sei insofern die richtige Richtung, wenn die Mengen nach Bedarf produziert und verteilt werden.

In der aktuell in Deutschland geführten Debatte um die Ausrichtung der deutschen Milchwirtschaft erstaunen den Berliner Agenturchef (res PR) und Branchen-Kommunikationsexperten Armin Huttenlocher, zwei Aspekte zutiefst: Zum einen, dass Vorbehalte und Einwände gegen eine Exportorientierung vor allem von Parteien und Politikern erhoben werden, die ansonsten für sich in Anspruch nehmen, das Wohl von Mensch und Menschheit über alle anderen Interessen zu stellen; die aber die Frage konsequent ausklammern, wie die Ernährung der Menschheit in Zukunft funktionieren soll, vor allem in Regionen ohne ausreichende, landwirtschaftliche Ressourcen. Zum anderen, dass es die Milchwirtschaft selbst bislang weitestgehend versäumt habe, schlüssige Konzepte einer Exportwirtschaft zu entwickeln und konsequent umzusetzen, die anderes bedeuten würde, als nur Ware aus Deutschland um den halben Globus zu transportieren und dadurch wenig mehr zu erreichen, als neue Abhängigkeiten zu erzeugen - beim Abnehmer ebenso wie beim Lieferanten.

Der Leiter des chinesischen Marktentwicklungsprogramms, Atze Schaap von Royal FrieslandCampina, wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass Milch eine zentrale Rolle für die Lebensmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung spielt. In Asien und Afrika reiche die lokale Milchproduktion bei weitem nicht zur Deckung des Eigenbedarfs. Export auf Basis dauerhafter Beziehungen sei sehr wohl im Interesse der Verbraucher und könne ebenfalls den europäischen, asiatischen und afrikanischen Milchviehhaltern nützen.

Als Vertreterin der Milcherzeuger brachte sich Kristina Schmalor aus Sundern in die Diskussion ein. „Deutschland bietet uns Idealbedingungen für eine nachhaltige, leistungsstarke und hochwertige Milchproduktion. Im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung müssen wir diese wertvollen Ressource nutzen.“  

Moderiert von top agrar-Redakteur Patrick Liste nutzten die rund 120 Teilnehmer die Gelegenheit, die angesprochenen Aspekte eingehend mit den Referenten zu diskutieren und zu vertiefen. Aktiver Dialog am „runden Tisch“ der Milchwirt-schaft.

 

 

 

 


Dateien zum Download:

Presseinfo_Werl_2016.pdf32 K


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