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Archivierte Pressemitteilung

Der NRW-Milchmarkt 2015: Zwischen freiem Markt und neuen Grenzen


Druck von allen Seiten
Ein durch starke Nachfrage gekennzeichneter  Milchmarkt führte bis ins erste Quartal 2014 zu einer ausgesprochen guten Erlössituation, so Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW e.V. (LV Milch NRW). Äußerst positive Rahmenbedingungen in vielen Gunstregionen der Welt führten gleichzeitig zu einem hohen Milchaufkommen. Bei leichter Abschwächung des Exports wuchs das Angebot schneller als die Nachfrage. Dies führte zu einer Vollauslastung bei der Produktion von Dauermilcherzeugnissen. Rohstoffe mussten verstärkt in die Käseverwertung gelenkt werden. Im Verlauf des Jahres zeichneten sich rückläufige Notierungen - zunächst bei Käse, später in allen Segmenten - ab. Zudem mussten die Molkereien schlechte Preisabschlüsse mit dem LEH hinnehmen. Eine Abschwächung der Weltkonjunktur und die Russlandkrise ließen den Druck im letzten Quartal weiter steigen - mit dem Resultat von derzeit deutlichen Erlöseinbußen auf der Erzeugerseite.

NRW-Milchmarkt
Im Jahr 2014 wurden in NRW mit rund 3,3 Mio. Tonnen Milch 4,2 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr produziert. Der Strukturwandel auf der Erzeugerseite habe sich weiter fortgesetzt. Nach Informationen des Statistischen Landesamtes sei die Anzahl der Milchkuhhalter lt. Novemberzählung um 4,3 Prozent auf 7.056 gesunken, die Anzahl der Milchkühe allerdings um 0,7 Prozent auf 420.572 leicht angestiegen. Die durchschnittliche Kuhzahl je Betrieb in NRW sei um 5,1 Prozent auf 60 Kühe angestiegen. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2014 habe der Auszahlungspreis mit 38,34 Ct./kg (für konventionelle Kuhmilch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß ohne MwSt.) um 2,1 Ct./kg bzw. 5,8 Prozent über dem Preis des Vorjahreszeitraums gelegen. Trotz einer sich bereits Mitte des Jahres abzeichnenden Verschlechterung der Preissituation konnten die Molkereien noch mehrere Monate ein vergleichsweise hohes Auszahlungsniveau ermöglichen. Ein insgesamt guter Durchschnittspreis für 2014 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die jetzige Situation äußerst schwierig für die Milcherzeuger ist. Trotz der langfristig günstigen Marktaussichten sei kurzfristig eine positive Veränderung der Märkte nicht vor dem zweiten Halbjahr 2015 zu erwarten.

Wie liberal ist der neue Milchmarkt ohne Quote?
Der Staat habe sich bereits weitestgehend aus dem Milchmarkt zurückgezogen, so Wilhelm Brüggemeier, Vorsitzender der LV Milch NRW, mit dem Wegfall der Quote sei dieser Prozess beendet. Trotz einer weiteren Ausdehnung der Milchproduktion seien dem Wachstum Grenzen gesetzt. Beispiele für aktuelle und künftige Faktoren, die regulierend auf den Produktionsprozess einwirken seien Flächenverfügbarkeit, Umweltauflagen, Flächenkosten sowie immer neue Haltungsauflagen. Umso wichtiger für eine wettbewerbsfähige Milchproduktion werde die Ausnutzung von Optimierungspotentialen (z. B. im Bereich Tiergesundheit, Flächeneffizienz und Milchleistung). Die heutige Milchproduktion werde sich neben den klassischen Feldern wie Fütterung und Melken vermehrt mit Themen wie Energieeffizienz, Ressourcenmanagement und Nachhaltigkeit beschäftigen müssen. Die Beherrschung der zunehmenden Preisvolatilität sei für alle Marktteilnehmer eine große Herausforderung. Dies sei sowohl Chance als auch Risiko. Alte Grenzen. Neue Grenzen.


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Frank Maurer

Tel. 02151 4111-410
Mail maurer(at)milch-nrw(dot)de

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