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Archivierte Pressemitteilung

Forum Milch NRW 2015 in Werl


„Hart aber fair: – Milchproduktion zwischen öffentlicher Empörung und interner Wahrnehmung“ Dieses Thema diskutierten die Teilnehmer beim 9. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) am 3. September 2015. In aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen werden Ansprüche an Tierhaltung formuliert und vermeintliche Fehlentwicklungen teilweise drastisch angeprangert. Die Akzeptanz für eine moderne, artgerechte Tierproduktion und eine effiziente Milcherzeugung schwinde in der Bevölkerung, so Hans Stöcker, rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW. Er forderte die Branchenvertreter dazu auf, sich den Fragen zu stellen und den Dialog stärker mitzugestalten.
Vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW stellte Staatssekretär Peter  Knitsch in seinem Grußwort fest, dass der Wegfall der Quote die bereits schwierige Marktsituation weiter verschärft habe. Zunehmend volatile Erzeugerpreise, ein steigender Wettbewerbsdruck, in vielen Betrieben unzureichende Einkommen und Hofnachfolgesorgen und eine schwache Stellung der Erzeuger in der Wertschöpfungskette üben anhaltend Druck auf die bäuerlichen Erzeuger aus. Eine umfassende Strategie für die zukunftsweisende Ausgestaltung der Milchmarktpolitik als Grundlage einer stabilen, tiergerechten und nachhaltigen Milchviehhaltung werde immer wichtiger. Neben der direkten Marktintervention sei es dringend geboten, weitere Kri-seninstrumente zu prüfen und auf den Weg zu bringen. Das werde NRW zusammen mit den grünen Agrarminister/innen der Länder auf der anstehenden AMK mit Nachdruck einfordern. Der Ratsbeauftragte für agrarsoziale Fragen der evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Clemens Dirscherl, beschreibt das Thema Tierwohl als ein modernes zivilgesellschaftliches Phänomen. Erst die zunehmende Professionalisierung auch im „Agrobuisiness“ münde beim Verbraucher in Unbehagen. Doch schließe sich Ethik und Tierhaltung nicht aus. Das Einkaufs- und Ernährungsverhalten genauer zu bedenken statt nur zu konsumieren und eine Debatte offen, ehrlich und differenziert anzugehen statt zu polarisieren hält er für zielführend.
Die Welttierschutzgesellschaft e.V. rechnet mit einer Zunahme gesellschaftliche Kritik an schlechten Haltungsbedingungen. „Nachdem die Herausforderungen im Bereich der Schweine- und Geflügelhaltung bereits medial und politisch aufgegriffen worden sind, wird nun die Milchviehhaltung stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken“, meint der Leiter Politische Kommunikation, Dr. Leif Koch. Seine Empfehlung: Kritik nicht pauschal ablehnen, Tierschutzstandards erhöhen, den Verbraucher nicht mit falschen Bildern auf der Milchpackung täuschen und die Zucht robuster Rassen fördern.“ Dr. Karl-Heinz Engel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hochwald Foods GmbH und Vorsitzender des Milchindustrie-Verbands erklärte, bereits heute haben große Molkereien in Deutschland begonnen, gemeinsam mit ihren Erzeugern Nachhaltigkeitskonzepte umzusetzen, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Mit dem geplanten QM-Milch-Nachhaltigkeitsmodul werden die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales), ergänzt um den Bereich Tierwohl, noch stärker in der Milcherzeugung verankert und somit der aktuellen Diskussion Rechnung tragen. In seinem Statement unterstrich Antonius Tillmann, als Milcherzeuger aus Leidenschaft im westfälischen Höxter die Expertise der Landwirte. Er sei seit 40 Jahren immer ganz nah am Tier. Schon früh eine Beziehung zu Ihnen aufzubauen und sie intensiv zu beobachten biete die beste Perspektive festzustellen, ob sich das einzelne Tier wohlfühlt oder nicht. Moderiert von top-agrar Chefredakteur Dr. Ludger Schulze Pals nutzten die rund 120 Teilnehmer die Gelegenheit, die angesprochenen Aspekte eingehend mit den Referenten zu diskutieren und zu vertiefen. Aktiver Dialog am „runden Tisch“ der Milchwirtschaft.


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Frank Maurer

Tel. 02151 4111-410
Mail maurer(at)milch-nrw(dot)de

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