
03.09.2026 (AMI) – Die konventionellen Milcherzeugerpreise legten im Juli geringfügig zu. Auch für die kommenden Monate rechnet die AMI vor dem Hintergrund der teils deutlich rückläufigen Anlieferungsmengen mit leicht festeren Preistendenzen.
Grundlage für den leichten Anstieg bildeten die in den vergangenen Monaten teils anziehenden Preise für die Verarbeitungsprodukte. Allerdings waren die Verläufe je nach Produkt und Zeitpunkt sehr unterschiedlich. So stieg die Leitverwertung aus Butter und Magermilchpulver bis April stetig an, wobei vor allem die Eiweißseite die treibende Kraft war. Im Mai und Juni kam es zu Korrekturen nach unten. Erst mit den hitze- und virusbedingten Rückgängen der Milchanlieferung im Sommer setzten erneut steigende Tendenzen ein. Das knappere Rohstoffangebot führte vor allem an den Spotmärkten zu deutlichen Zuwächsen, aber auch Käse erholte sich nach einer zwischenzeitlichen Delle.
Dementsprechend kam es auf Ebene der Milcherzeugerpreise im Juli zu uneinheitlichen Entwicklungen. Je nach Produktportfolio der Molkereien waren nochmals leichte Aufschläge möglich. Nach ersten Hochrechnungen der AMI zahlten die Molkereien in Deutschland für konventionell erzeugte Milch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß durchschnittlich knapp 39,5 ct/kg. Das entsprach einem Plus von 0,5 ct/kg gegenüber dem Vormonat. Nach der stabilen Entwicklung im Juni setzte sich damit die leichte Aufwärtstendenz aus April und Mai fort. Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr verringerte sich im Juli auf 13,9 ct/kg. Grund dafür waren der aktuelle leichte Preisanstieg sowie die im Juli 2025 nahezu stabile Preisentwicklung.
Im Zeitraum von Januar bis Juli 2026 erhielten die Milcherzeuger im bundesweiten Schnitt knapp 38,7 ct/kg für ihren konventionell erzeugten Rohstoff. Das waren gut 14,3 ct/kg bzw. 27,0 % weniger als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Trotz der rückläufigen Tendenzen ab Herbst 2025 dürfte es in den verbleibenden Monaten schwer werden, diesen Rückstand aufzuholen. Im Mittel von 2026 wird daher das im langfristigen Vergleich überdurchschnittlich hohe Jahresergebnis von 2025 nicht erreicht werden.
Quelle: AMI
Milchpulver wird teurer, Spotmilch zieht im Preis an: Mehrere Marktsignale lassen Milchviehhalter auf höhere Milchpreise hoffen.
Der Milchmarkt belebt sich. Im Juli hatten einige Molkereien das Milchgeld angehoben. Im Mittel dürfte der Milchpreis im Juli aber nur leicht gestiegen sein. Doch verschiedene Marktindikatoren lassen Milchviehhalter auf weitere Preisanstiege hoffen.
Zu den positiven Signalen gehört, dass das Milchaufkommen weiter zurückgeht. Einerseits ist das die saisontypische Bewegung, andererseits verstärkten die hohen Temperaturen und die Ausbreitung des Shamonda-Virus regional den Rückgang.
Die Hitze und Trockenheit bedingten den Futtermangel und sorgten für Hitzestress bei den Milchkühen. Das Shamonda-Virus führt zu einem deutlichen Rückgang der Milchleistung und zu Fortpflanzungsproblemen. Teilweise gab es auch Bestandsabstockungen.
In Summe drücken all diese Faktoren das Milchaufkommen sowie zeitweise auch die Inhaltsstoffe. Dennoch liegt die kumulierte Milchmenge in diesem Jahr weiterhin deutlich über dem Vorjahr.
Milchpreis am Spotmarkt steigt auf 48 Cent - Milchpulver auch teurer
Das geringere Milchangebot stützt die Preise. Am Spotmarkt, wo die Molkereien sich kurzfristig mit freier Milch versorgen, sind die Milchpreise im Süden in der 34. Kalenderwoche auf 48 Cent/kg Milch gestiegen. Im Norden waren es 45 Cent/kg.
Die Großhandelspreise, die die Süddeutsche Butter- und Käsebörse wöchentlich feststellt, bewegten sich zuletzt in verschiedene Richtungen. Die Preise für Voll- und Magermilchpulver sind seit Anfang August immer weiter gestiegen, während bei den Butternotierungen kaum Bewegung zu verzeichnen war.
Bei den aktuellen Notierungen vom 2. September 2026 setzten die Milchpulverpreise ihren Aufwärtstrend fort und legten teils kräftig zu. Magermilchpulver als lose Sprühware in Futtermittelqualität wurde an beiden Enden um 20 Cent verteuert und ging für 3,04 bis 3,09 Euro/kg in den Markt.
Ware in Lebensmittelqualität verteuert sich am unteren Rand um 13 Cent, am oberen um 12,5 Cent. Das Preisband lag bei 3,13 bis 3,225 Euro/kg. Auch die Notierung für Vollmilchpulver wurde angehoben. Sie wurde um 10 beziehungsweise 13 Cent auf eine Spanne von 3,75 bis 3,85 Euro/kg hochgesetzt.
Auch an der EEX in Leipzig steigen die Börsenpreise für Magermilchpulver immer weiter, während die Butterpreise wenig Bewegung zeigen.
Rohstoffwert Milch steigt im August um 7,5 %
Der Anstieg der Preise für Magermilchpulver, aber auch ein leichter Anstieg der Butterpreise, führten dazu, dass der Rohstoffwert Milch im August deutlich zugelegt hat. Das ife-Institut in Kiel berechnet den Wert jeden Monat aus den Erlösen für Butter und Magermilchpulver.
Im August ist der Wert um ganze 2,7 Cent/kg Milch oder 7,5 % zum Vormonat angestiegen. Damit liegt er im August 2026 bei 38,7 Cent/kg Milch. Im Vorjahresmonat waren es allerdings noch 47,9 Cent/kg.
Nicht nur in Deutschland, auch im EU-Mittel haben die Erlöse für Butter sowie Voll- und Magermilchpulver zuletzt deutlich zugelegt. Im EU-Mittel stieg der Erlös für Butter in der 35. Kalenderwoche um 3,7 % auf 416 Euro/100 kg.
Beim Milchpulver fielen die Preiszuwächse noch deutlicher aus: Vollmilchpulver stieg um 5,3 % auf 366 Euro/100 kg und Magermilchpulver um 5,2 % auf 300 Euro/100 kg. Nur Cheddar sank im Preis, und zwar um 3,7 % auf 322 Euro/100 kg.
Positive Signale vom internationalen Milchmarkt - gut für Landwirte
Auch vom internationalen Milchmarkt kommen zuletzt leicht positive Signale: Bei den vergangenen vier Auktionen an der internationalen Milchhandelsplattform Global Dairy Trade legte der Preisindex durchweg zu.
Bei der Auktion am 1. September betrug der Zuwachs 0,9 % auf durchschnittlich 3.372 Euro/t. Besonders getragen wurde er durch höhere Buttermilch- (+4,6 %) und Magermilchpulverpreise (+5,3 %).
Insgesamt scheint damit am Milchmarkt die von der EU-Kommission erwartete Abschwächung des Mengenwachstums der Milchanlieferung einzutreffen. Zumindest eine Stabilisierung der Preise geht damit einher.
Für den August zeigen die ersten Preismeldungen für den agrarheute Milchpreisspiegel, dass einige Molkereien den Auszahlungspreis erhöhen. Ob sich daraus ein nachhaltiger Aufwärtstrend entwickelt, bleibt abzuwarten.
Quelle: agrarheute
03.09.2026 (AMI) – Am Markt für Schnittkäse war Anfang September eine rege Nachfrage zu verzeichnen. Das Kaufinteresse an Mozzarella hielt sich ebenfalls auf hohem Niveau. Das Angebot reichte bei gedrosselter Produktion aufgrund sinkender Milchmengen nur knapp für die umfangreichen Abrufe.
Über den Monatswechsel war der deutsche Käsemarkt von einer anhaltend belebten Nachfrage geprägt. Die Absätze bewegten sich auf hohem Niveau, was unter anderem auf den umfangreichen Bedarf des Lebensmitteleinzelhandels zurückzuführen war. Hier sorgte das Ferienende, welches sukzessive in den Bundesländern eintrat, für neue Impulse. Die Industrie nahm Ware weiterhin planmäßig ab und der GV-Bereich zeigte sich ebenfalls weiterhin aufnahmefähig.
Die Hersteller berichteten, dass sie teilweise Mühe hatten die hohen Abrufe der verschiedenen Absatzmärkte zu bedienen. Um lieferfähig zu bleiben wurde die Herstellung in den Käsereien weiter angekurbelt. Die Bestände in den Reifelagern schmolzen derweil weiter und die Ware verließ die Werke in einer jungen Altersstruktur. Vorgezogene Lieferungen oder kurzfristige Anfragen konnten zumeist nicht bedient werden. Gleichzeitig wurde eine hohe Auslastung der Käsereien durch die saisonal sinkende Milchanlieferung sowie niedrige Inhaltsstoffe erschwert. Hinzu kommt, dass der Rohstoff für die Käseproduktion teils bevorzugt in andere Verwertungsrichtungen gelenkt wurde. Insbesondere die belebte Nachfrage nach Magermilchkonzentrat, einhergehend mit steigenden Preisen, dämpfte den Rohstofffluss in die Käsereien.
Quelle: AMI
1. September 2026: Neue Fälle des Shamonda-Virus bei Pferden, Alpakas, Schafen und Ziegen
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat inzwischen Infektionen mit dem Shamonda-Virus bei mehreren Tierarten in Deutschland bestätigt. Neben Rindern aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, dem Saarland und Sachsen wurde das Virus bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz und einem Alpaka aus Hessen nachgewiesen. Auch in Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg wurde Shamonda-Virus gefunden. Die Ausbreitung bei empfänglichen Tieren hält nach Angaben des FLI an. Eine vollständige Übersicht über die Fälle gibt es derzeit allerdings nicht, weil für das Virus keine Meldepflicht besteht. Das FLI kann deshalb keine Verbreitungskarte auf Grundlage amtlich gemeldeter Fälle erstellen.
Besonders aufmerksam macht der Nachweis bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz: Das Tier zeigte vor seinem Tod zentralnervöse Störungen. In der Gehirnprobe wurde eine hohe Viruslast festgestellt. Damit unterscheidet sich dieser Fall vom verwandten Schmallenberg-Virus, bei dem solche neurologischen Störungen nicht auftreten.
Shamonda-Virus in Deutschland: Bedeutung für Landwirte und Tierhalter
Beim Shamonda-Virus handelt es sich um ein Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe. Das nun in Deutschland nachgewiesene Virus zeigt in seinen drei Genomsegmenten die höchste Verwandtschaft zum Shamonda-Virus. Die endgültige taxonomische Einordnung steht noch aus.
Viren der Simbu-Serogruppe sind vor allem aus Afrika, Asien und Australien bekannt. Mit dem neuen Nachweis gibt es nach dem erstmaligen Auftreten des Schmallenberg-Virus 2011 erneut Hinweise auf die Einschleppung eines Virus dieser Gruppe nach Deutschland. Für Landwirte und Tierhalter ist vor allem die mögliche Bedeutung für trächtige Tiere wichtig. Bei Infektionen während der Trächtigkeit können bei Viren dieser Gruppe Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten. Ob und in welchem Umfang das beim neuen Shamonda-like-Virus der Fall ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Wie wird das Shamonda-Virus bei Rindern und anderen Tieren übertragen?
Das Virus wird – ähnlich wie das Blauzungen- und das Schmallenberg-Virus – durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen. Betroffen sind vor allem Wiederkäuer. Die aktuellen Nachweise zeigen jedoch, dass auch andere Tierarten empfänglich sind. Die Gnitzen sind in Deutschland besonders zwischen Juli und Oktober aktiv. Witterungsabhängig kann die Gnitzen-Saison bis etwa Ende November dauern. Aufgrund der effizienten Übertragung rechnet das FLI deshalb mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen.
Welche Symptome verursacht das Shamonda-Virus bei Rindern?
Bei erwachsenen Tieren führen Infektionen mit Viren der Simbu-Serogruppe meist zu einer kurzen Virämie und milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. Bei den bislang erkrankten Rindern wurden vor allem Fieber und Durchfall beobachtet.
Bei Milchkühen kam es teilweise zu einem deutlichen Rückgang der Milchleistung. Die Krankheitsbilder waren zunächst mit einer Infektion durch das Schmallenberg-Virus vereinbar. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Fortpflanzungsprobleme. Laut FLI können bei Viren der Simbu-Serogruppe abhängig vom Infektionszeitpunkt während der Trächtigkeit Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten. Beim bestätigten Pferdefall traten dagegen zentralnervöse Störungen auf. Ob diese für Shamonda-Infektionen bei Pferden typisch sind, ist derzeit noch nicht geklärt.
Was können Landwirte und Tierhalter gegen das Shamonda-Virus tun?
Eine spezifische Impfung gegen das neue Virus steht derzeit nicht zur Verfügung. Grundsätzlich können gegen Orthobunyaviren Impfstoffe entwickelt werden. Ob und wie dringend eine Impfstoffentwicklung erforderlich ist, hängt laut FLI wesentlich davon ab, welche klinische und insbesondere reproduktionsmedizinische Bedeutung das Virus entwickelt.
Für Landwirte und Tierhalter kommt es deshalb zunächst darauf an, die Tiergesundheit aufmerksam zu beobachten. Auffällige Krankheitserscheinungen, Leistungseinbrüche sowie Aborte, Totgeburten oder Fehlbildungen sollten tierärztlich abgeklärt werden. Da die Übertragung durch Gnitzen erfolgt, ist insbesondere während der aktuellen Gnitzen-Saison mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen.
Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie empfiehlt ausdrücklich, den Schutz vor Stechinsekten zu erhöhen, beispielsweise durch Insektizide oder Schutznetze.
Das FLI arbeitet derzeit an der vollständigen Charakterisierung des Erregers, der epidemiologischen Nachverfolgung der Fälle sowie an diagnostischen Verfahren.
Ist das Shamonda-Virus für Menschen gefährlich?
Viren der Simbu-Serogruppe gelten in der Regel nicht als Zoonoseerreger. Nach bisherigem Kenntnisstand besteht daher kein relevantes Infektionsrisiko für Menschen. Weil es sich beim neu aufgetretenen Virus jedoch um einen bislang unzureichend charakterisierten Erreger handelt, wird ein mögliches zoonotisches Potenzial vorsorglich weiter untersucht.
Mit Material von FLI
Quelle: agrarheute
Landwirtinnen und Landwirte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und faire Handelsbedingungen. Die geplante Reform der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken (Unfair Trading Practices Directive, UTP) bietet jetzt die Chance, einen zentralen Baustein zum Schutz vor Ausbeutung zu ergänzen: ein Verbot des Einkaufs unterhalb der Produktionskosten. Ein Gastbeitrag.
Landwirtschaft ist ein Geschäft mit besonderen Risiken. Steigende Produktionskosten, Ertragsausfälle durch Klimawandel sowie volatile Preise gefährden Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Aber auch die Resilienz globaler Lieferketten.
Umso wichtiger ist es, dass Bäuerinnen und Bauern für ihre Produkte Preise erzielen, mit denen sie ihre Betriebe wirtschaftlich führen und in deren Zukunft investieren können.
Viele Landwirte stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck
Genau hier liegt eine der großen Herausforderungen: Viele Erzeugerinnen und Erzeuger stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck und sehen sich gezwungen, Produkte unter den Produktionskosten zu verkaufen, um überhaupt Abnehmer zu finden.
Wer dauerhaft nicht kostendeckend wirtschaften kann, kann weder Rücklagen bilden noch ausreichend in die nächste Generation, Bodengesundheit, Klimaanpassung oder produktive Anbaumethoden investieren.
Es stellt sich die Frage: Wie können Lieferketten so gestaltet werden, dass diejenigen, die einen großen Teil des Risikos tragen, von ihrer Arbeit leben können?
Die Politik muss jetzt handeln
Die geplante Reform der europäischen Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken bietet jetzt eine wichtige Gelegenheit: Ende des Jahres will die Europäische Kommission einen Reformentwurf vorlegen.
Das Europaparlament und die EU-Mitgliedstaaten sollten dem Beispiel von Belgien, Frankreich, Italien und Spanien folgen und die Richtlinie um einen wichtigen Punkt ergänzen: das Verbot des Einkaufs unterhalb der Produktionskosten. Denn das kann die Verhandlungsposition von Landwirtinnen und Landwirten in der EU und entlang globaler Agrarlieferketten verbessern und einen Beitrag zu existenzsichernden Einkommen in der Landwirtschaft leisten.
Landwirtschaft ist die Grundlage stabiler Lieferketten
Die aktuelle Situation zeigt den Handlungsbedarf. Landwirtschaftliche Betriebe müssen heute Investitionen stemmen, um sich zukunftsfähig aufzustellen und auf neue Herausforderungen zu reagieren.
Das ist nur möglich, wenn Betriebe wirtschaftlich tragfähig sind und Landwirtinnen und Landwirte von ihrer Arbeit leben können. Das ist die Grundlage für die Stabilität globaler Lieferketten, die Widerstandsfähigkeit der gesamten Lebensmittelversorgung und den Erhalt bäuerlicher Strukturen.
Kernelemente einer wirksamen Reform der UTP-Richtlinie
Verbot des Einkaufs unter Produktionskosten auf die „schwarze Liste“ der EU-Richtlinie aufnehmen
Transparente Preise und Kostenberechnungen, um faire Verhandlungsgrundlagen zu schaffen
Faire Beteiligung an der Wertschöpfung nötig
Auch in internationalen Lieferketten zeigen sich die Folgen unzureichender Einkommen. Der Kakaopreisschock 2024 machte deutlich, dass Produzentinnen und Produzenten oft nicht von steigenden Marktpreisen profitieren. Sie brauchen nicht nur Marktzugang, sondern eine faire Beteiligung an der Wertschöpfung. Sind Betriebe dauerhaft unterfinanziert, fallen existenzielle Investitionen aus.
UTP-Richtlinie entfaltet nicht die gewünschte Wirkung
Mit der UTP-Richtlinie hat die EU bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Seit 2019 verbietet und beschränkt diese bestimmte unfaire Handelspraktiken. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass die Richtlinie Lücken aufweist.
Die Umsetzung in den Mitgliedstaaten ist uneinheitlich und viele Landwirtinnen und Landwirte trauen sich nicht, Verstöße zu melden. Die Sorge vor möglichen Nachteilen oder schlichte Unwissenheit über ihre Rechte hält sie zurück.
Hinzu kommt, dass eine zentrale unfaire Handelspraktik in der aktuellen Richtlinie fehlt: die Zahlung von Preisen unterhalb nachhaltiger Produktionskosten. Die Richtlinie entfaltet daher bisher nicht die gewünschte Wirkung.
Faire Preise lassen sich berechnen
Genau hier muss die Reform ansetzen. Das explizite Verbot des Einkaufs unter Produktionskosten sollte auf die „schwarze Liste“ der UTP-Richtlinie aufgenommen werden. Das wäre ein klares Zeichen gegen Ausbeutung und für faire Verhandlungsbedingungen.
Es stellt sich zurecht die Frage nach der Definition und Umsetzbarkeit von fairen Preisen. Darauf gibt es Antworten. Entscheidend sind nachvollziehbare Kriterien und belastbare Berechnungen. Fairtrade hat jahrzehntelange Erfahrung mit Preismechanismen und weiß: Es ist möglich, Produktionskosten und Erzeugerpreise zu ermitteln, die diese abdecken und existenzsichernde Einkommen ermöglichen.
Kein Gegensatz zu wettbewerbsfähiger Produktion
Für die Festlegung von Fairtrade-Mindestpreisen und -Prämien führen wir weltweit Preiserhebungen bei unseren Produzentenorganisationen durch. Für existenzsichernde Einkommen gehen solche Berechnungen noch weiter. Fairtrade arbeitet mit konkreten Berechnungsmodellen, die sich an den Lebenshaltungskosten der Produzentinnen und Produzenten sowie an den Kosten einer nachhaltigen Produktion orientieren. Wir errechnen diese Referenzpreise für verschiedene Produkte und Regionen.
Das können auch unabhängige oder staatliche Stellen in der EU leisten, wie die Beispiele aus Frankreich und Spanien zeigen. Faire Preise stehen dabei nicht im Gegensatz zu Wettbewerbsfähigkeit. Sie haben eine nachvollziehbare Grundlage, decken die Kosten einer nachhaltigen Produktion und sollten Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen. Nur so können Betrieben wettbewerbsfähig und zukunftsfähig bleiben.
EU muss Fairness gesetzlich verankern
Eine funktionierende EU-Richtlinie ist ein wichtiges Fundament für eine faire Verteilung der Wertschöpfung, für wirtschaftlich stabile Betriebe und damit für mehr Resilienz in globalen Lieferketten.
Die Reform der UTP-Richtlinie ist eine Chance, die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft grundlegend zu verbessern. Entscheidend ist dabei, dass die Regel nicht zu einem Flickenteppich unterschiedlicher nationaler Vorgaben führt. Es braucht eine harmonisierte Umsetzung und klare Definitionen in allen Mitgliedstaaten.
Zudem müssen Durchsetzungsmechanismen gestärkt werden, gerade auch für Landwirtinnen und Landwirte, die in die EU exportieren, damit sie sich darauf verlassen können, dass Verstöße konsequent geahndet werden und sie keine Nachteile fürchten müssen, wenn sie ihre Rechte einfordern. Die bereits beschlossene, stärkere Zusammenarbeit der nationalen Behörden ist ein wichtiger Schritt, doch es braucht mehr.
Landwirtschaft braucht Fairness – hier wie weltweit
Die Zeit zu handeln, ist jetzt. Die Reform der UTP-Richtlinie wird nicht jedes Problem der Landwirtschaft lösen. Sie kann aber eine wichtige Schieflage korrigieren. Landwirtinnen und Landwirte leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag zur weltweiten Versorgung. Sie verdienen faire Preise und stabile Rahmenbedingungen. Das ist indiskutabel.
Der Appell „Landwirtschaft braucht Fairness“ fordert das Bundeslandwirtschaftsministerium deshalb auf, klare Grenzen für unfaire Handelspraktiken zu setzen und unfaire Preise zu verbieten. Denn am Ende profitieren wir alle gemeinsam von einer zukunftssicheren Landwirtschaft.
Quelle: agrarheute
Weniger Masse, mehr Marge: Viele Molkereiriesen stellen ihr Geschäft neu auf, zeigt ein aktueller Bericht der Rabobank. Welche Strategie im globalen Milchmarkt künftig den Erfolg sicherstellen sollen.
Die Ära des reinen Mengenwachstums in der Milchwirtschaft scheint sich dem Ende zuzuneigen. Der aktuelle Bericht der Rabobank über die 20 größten Molkereien der Welt zeigt: Viele erfolgreiche Molkereien wachsen nicht mehr durch reine Expansion. Sie setzen stattdessen auf klare Spezialisierung, Abspaltungen und Fusionen, um ihre Zukunft zu sichern.
Laut der Untersuchung der Rabobank-Analysten Lucas Fuess und Tom Booijink ist der Gesamtumsatz der 20 weltgrößten Molkereien im Jahr 2025 um 5,4 % auf 267 Milliarden US-Dollar gestiegen. Hinter diesem Zuwachs verbirgt sich eine Umstrukturierung: Molkereien agieren immer seltener als Allrounder.
Die Analysten schreiben: „Die zukünftigen Marktführer werden diejenigen sein, die es schaffen, Größe mit Innovation, Differenzierung und Produkten mit Mehrwert zu verbinden.“ Daher gewinnen margenstarke Nischen wie etwa Proteinprodukte zunehmend an Beliebtheit.
Molkereien setzen zunehmend auf Spezialisierung
Deutlich wird das im diesjährigen Ranking anhand von mehreren Beispielen. So hat der Konzern Unilever im Dezember 2025 seine Speiseeis-Sparte unter dem Namen „The Magnum Ice Company“ abgespalten. Nach einem erfolgreichen Börsengang stieg Magnum sofort auf Platz 11 ins Molkereiranking ein.
Als unabhängiges Unternehmen könne das Unternehmen nun Investitionen gezielt in Eiscreme lenken, ohne mit anderen Unilever-Marken um Kapital konkurrieren zu müssen, erklären die Analysten der Rabobank.
Fonterra: Weniger Masse, mehr Rendite
Auch die neuseeländische Molkereigenossenschaft Fonterra setzt einen neuen Fokus. Durch den Verkauf ihres gesamten Verbrauchergeschäfts der Mainland-Gruppe in Asien und Australien an den Marktführer Lactalis büßte Fonterra zwar Umsatz ein und rutschte im Ranking von Platz 7 auf 10 ab. Doch dieser Rückzug ist strategisch gewollt.
Die Genossenschaft konzentriert sich künftig auf hochrentable Milchprodukt-Zutaten und den Foodservice, zeigt die Analyse der Rabobank. Vom vereinfachten Portfolio verspricht sich das Unternehmen stabilere und höhere Erlöse für die Milchbauern, da der Milcherzeugerpreis als größter Kostenfaktor direkt an die internationalen Auktionspreise der GDT gekoppelt ist, die inzwischen einen größeren Umsatzanteil ausmachen.
Megafusionen und Preisdruck bei Molkereien in Europa
In Europa steht die Milchbranche unter enormem wirtschaftlichen Druck. Steigende Produktionskosten und längerfristige Unsicherheit bei der Milchversorgung zwingen Genossenschaften vermehrt zur Konsolidierung, zeigt die Analyse der Rabobank.
Ein prominentes Beispiel dafür ist der Zusammenschluss von Arla Foods und der DMK Gruppe zum 1. Juni 2026. Der neue Molkereiriese Arla verarbeitet ein Milchvolumen von 19,4 Milliarden Kilogramm pro Jahr. Skaleneffekte dieser Art sollen langfristig wettbewerbsfähige Erzeugerpreise sichern, so die Experten der Rabobank.
Die niederländische FrieslandCampina reagierte auf den wachsenden Druck europäischer Rivalen durch den Zusammenschluss mit der belgischen Milcobel, um ihren eigenen Milchpool zu vergrößern und die Effizienz zu steigern.
Auch zahlreiche europäische Molkereien konzentrieren sich zunehmend auf spezifische Produktkategorien, in denen sie eine Marktführerschaft aufbauen können. So wuchs etwa die Schweizer Emmi durch gezielte Akquisitionen in hochprofitablen Nischen, wie dem Kauf des französischen Premium-Dessertherstellers Mademoiselle Desserts.
Aktuell stehen die europäischen Betriebe jedoch unter starkem wirtschaftlichen Druck: In den ersten sieben Monaten 2026 brachen die EU-Milcherzeugerpreise um 17,9 % zum Vorjahr ein. Damit fiel der Preissturz deutlich stärker aus als in den USA (–6,5 %) oder China (–1,5 %), verdeutlichen die Rabobank-Daten.
Molkereibranche: Das werden die Gewinner sein
Unterm Strich wird die Zukunft den Molkereiunternehmen gehören, die sich von unprofitablen Mengen verabschieden und gezielt auf wertschöpfende Nischen wie Protein, Käsespezialitäten und funktionelle Nahrung setzen, prognostiziert die Analyse der Rabobank. Schiere Größe bleibe zwar eine wichtige Eintrittskarte, doch der langfristige Erfolg entscheide sich künftig an der Fähigkeit zur Differenzierung und einer strategischen Fokussierung.
Mit Material von Rabobank
Quelle: agrarheute
28.08.2026 (AMI) – Der AMI-Rohstoffindex stieg im August um 2 % auf 125 Punkte an. Unterstützend wirkten hier neben steigenden Preisen für Getreide und Milch auch Preisaufschläge für Schlachtschweine.
Die deutschlandweite Milchanlieferung setzte im August ihre saisonale Abwärtsbewegung fort. Vor allem zu Monatsbeginn fiel der Rückgang infolge hochsommerlicher Temperaturen stärker aus. Zusätzlich dämpften die zunehmende Ausbreitung des „Shamonda-like“-Virus sowie sinkende Inhaltsstoffe das Angebot. Die verringerte Verfügbarkeit spiegelte sich an den Rohstoffmärkten in steigenden Preisen im Monatsverlauf wider. Dadurch knackte der Preis für Industriesahne Ende August erstmals seit März wieder die 5-Euro-Marke im Bundesdurchschnitt. Auch an den Produktmärkten führte das rückläufige Angebot zu festeren Preistendenzen. Besonders deutlich zeigte sich dies an den Pulvermärkten: Die Preise für Mager- und Vollmilchpulver sind im August trotz zeitweise ruhiger Nachfrage spürbar gestiegen. Am Markt für Molkenpulver wurde die Entwicklung vor allem durch die anhaltend hohe Nachfrage nach Molkenderivaten gestützt. Der Schnittkäsemarkt war im August von einer regen Nachfrage und weiter abschmelzenden Lagerbeständen geprägt, wodurch sich auch hier die Preise befestigten. Der Buttermarkt zeigte im August saisonübliche Aktivitäten. Die Preise für Formware blieben kontraktbedingt stabil, jene für Blockware nahmen im Monatsverlauf leicht zu. Die Entwicklungen auf Produktebene dürften sich zeitverzögert auch auf Erzeugerebene niederschlagen, sodass die Milcherzeugerpreise bis in den Herbst hinein leichte Aufschläge verzeichnen dürften.
Beim Getreide gerieten die unterdurchschnittlichen Erträge der Weizenernte in den Fokus. Sowohl Brot- als auch Futtergetreidepreise konnten zum Vormonat zulegen. Besonders stark fiel der Anstieg beim Körnermais aus, der stark unter der Hitzephase gelitten hat und voraussichtlich auch deutliche Ertragseinbußen haben wird. Zusätzlich wirkt die eingeschränkte Exportlogistik im Schwarzmeerraum preisfestigend, da Getreidelieferungen in deutlich schmalerem Umfang ankommen und das Angebot dadurch knapper ausfällt.
Am Rapsmarkt setzte sich die volatile Entwicklung auch im August fort. Zeitweise erhielten die Notierungen deutlichen Auftrieb durch anziehende Rohölpreise sowie logistische Probleme auf wichtigen Wasserwegen in Deutschland infolge niedriger Pegelstände. Zusätzliche Unterstützung kam von den hinter den Erwartungen zurückbleibenden Rapserträgen, die die Abgabebereitschaft der Erzeuger bremsten. Gegen Ende August gaben die Preise jedoch spürbar nach, da Kanada im Zuge eines Handelsstreits mit den USA Gefahr läuft, größere Mengen Rapssaat auf den Weltmarkt umzulenken. Belastend wirkte zudem die wieder nachgebende Rohölnotierung.
Nach schwierigen Monaten hat sich der Schlachtschweinemarkt inzwischen gedreht, in den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Preisaufschlägen. Dabei hat sich die Nachfrage belebt, das Angebot war eher knapp. Mit den kühleren Temperaturen wachsen die Schweine nun aber schneller, im September könnten etwas mehr Tiere verfügbar sein. Gleichzeitig belebt das Ferienende die Nachfrage. Es werden stabile bis festere Preise erwartet.
Der deutsche Schlachtrindermarkt präsentierte sich im August deutlich ausgeglichener, insbesondere im Bereich der Jungbullen war das Angebot häufig sogar knapp. Obwohl die Schlachtunternehmen über anhaltende Herausforderungen am Fleischmarkt klagen, zogen die Preise etwas an. Ähnlich dürfte sich der Markt auch in den kommenden Wochen darstellen, wobei der Spielraum durch die stockenden Fleischgeschäfte begrenzt ist.
Quelle: AMI
27.08.2026 (AMI) – Die Milchanlieferung in der EU-27 lag im ersten Halbjahr 2026 deutlich über dem Vorjahresniveau. Vor allem die großen Erzeugerländer sorgten für höhere Rohstoffmengen. Im Juni schwächte sich das Wachstum jedoch spürbar ab, unter anderem infolge einer europaweiten Hitzewelle.
Den Molkereien in der EU-27 stand im Juni 2026 weiterhin mehr Rohstoff für die Verarbeitung zur Verfügung als ein Jahr zuvor. Nach einer ersten Hochrechnung der AMI auf Basis nationaler Statistiken und Veröffentlichungen der EU-Kommission wurden EU-weit rund 12,9 Mio. t Milch erfasst und damit 1,9 % mehr als im Vorjahresmonat. Umgerechnet auf einen Standardmonat mit 30,5 Tagen belief sich die Anlieferungsmenge im Juni auf 13,2 Mio. t.
Die Dynamik der EU-Milchanlieferung hat sich damit im Juni weiter abgeschwächt. Nach dem Überschreiten der saisonalen Milchspitze im Mai gingen die Mengen ohnehin tendenziell wieder zurück. Zusätzlich trugen aber vor allem die Entwicklungen in den mengenmäßig bedeutenden Milcherzeugerländern dazu bei, dass das Wachstum gegenüber 2025 geringer ausfiel als in den Vormonaten. Während zu Jahresbeginn in den meisten Mitgliedstaaten noch überwiegend expansive Tendenzen vorherrschten, kehrte sich die Entwicklung im Juni teilweise um. Das war insbesondere in Frankreich und Irland der Fall, wo die Milchanlieferung zur Jahresmitte unter dem Vorjahresniveau lag. In Frankreich belief sich das Minus im Juni auf 0,9 % und in Irland auf 3,2 %. Insgesamt wiesen im Juni elf Mitgliedstaaten rückläufige Milchmengen im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. In den Monaten zuvor waren es lediglich sechs bis acht. Darüber hinaus verringerte sich in mehreren Mitgliedsländern im Juni der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr, darunter in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Österreich und trug so zur Reduzierung des Wachstums auf EU-Ebene bei. Zur Jahresmitte wurde das Milchaufkommen in vielen Regionen durch die europaweite Hitzewelle und Trockenheit gedämpft. Die hohen Temperaturen führten bei den Milchkühen zu Hitzestress, wodurch die Milchleistung zurückging.
Quelle: AMI
27.08.2026 (AMI) – Der Absatz von abgepackter Butter hat sich Ende August bei stabilen Preisen leicht belebt. Dazu trug auch das Ende der Ferienzeit in weiten Teilen Deutschlands bei.
Am Markt für abgepackte Butter sprachen die Marktbeteiligten Ende August von einer saisontypischen Entwicklung. Mit dem Ende der Ferienzeit in weiten Teilen Deutschlands kehrten, wie erwartet, sowohl die Nachfrage als auch die Marktaktivitäten zunehmend zurück. Der Lebensmitteleinzelhandel rief die vorproduzierten Bestände der Hersteller kontinuierlich ab. Mengenmäßig bewegte sich der Absatz dabei laut nationaler Verkaufsstatistik leicht über dem Niveau der Vorwoche, erreichte das hohe Niveau der entsprechenden Vorjahreswoche jedoch noch nicht. Mit dem nahenden Ferienende im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen rechnen die Hersteller mit weiteren Nachfrageimpulsen.
Kontraktbedingt blieben die Preise für Formware Ende August stabil. Entsprechend wurde an der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse in Kempten am 26.08.26 eine unveränderte Spanne von 3,80 bis 4,70 EUR/kg notiert. Auch auf Verbraucherebene ergaben sich keine Veränderungen. In der 35. Kalenderwoche lag der Preis für Deutsche Markenbutter im Preiseinstiegssegment des Lebensmitteleinzelhandels weiterhin bei 1,05 EUR/250-Gramm und damit um 94 ct unter dem Preisniveau der Vorjahreswoche.
Quelle: AMI
Die Milchpreise steigen an der Globalen Milchbörse (GDT) kräftig. Analysten glauben die Hitzewelle in Europa, sowie das stärkste jemals verzeichneten El-Niño-Phänomen auf der Südhalbkugel sorgen für den Preisauftrieb.
Der Preisindex der Global Dairy Trade (GDT) stieg bei der jüngsten Auktion am 18. August 2026 um 2,3 Prozent an – der stärkste Anstieg bei einem einzelnen Handelstermin seit März. Getragen wurde dieser Aufwärtstrend vor allem durch kräftige Preissteigerungen bei Milchpulver und Käse, bedingt durch zunehmende Unsicherheiten auf der Angebotsseite in der nördlichen Hemisphäre sowie Wetterprognosen, die auf mögliche klimabedingte Beeinträchtigungen in den südlichen Produktionsregionen (El Nino) hindeuteten.
Der durchschnittliche Zuschlagspreis über alle gehandelten Produkte hinweg lag bei 3.873 US-Dollar pro Tonne. Die Marktstimmung wurde maßgeblich durch den zunehmenden klimatischen Druck auf die internationalen Milchlieferungen beeinflusst.
Rosalind Crickett, Milchmarktanalystin der NZX, merkte an, dass Rekordhitzewellen und Dürreperioden in Kontinentaleuropa viele Milchbauern gezwungen haben, frühzeitig auf Winterfutterreserven zurückzugreifen, was die Milcherträge im zweiten Halbjahr gefährdet. Gleichzeitig haben Prognosen, die auf ein bevorstehendes starkes El-Niño-Phänomen hindeuten, die Sorgen um das Weidewachstum und die Bodenfeuchtigkeit in wichtigen Milchexportgebieten der Südhalbkugel im Vorfeld des Frühjahrshochs verstärkt
Hitzewelle in Europa und stärkster El-Niño auf der Südhalbkugel
Bei der jüngsten Auktion der Handelsplattform Global Dairy Trade sind die Preise für verschiedene Milchprodukte gestiegen. Der Durchschnittspreis legte über Nacht um knapp 2,3 % auf 3.873 US-Dollar (6.597 NZ-Dollar) zu. Dies folgte auf eine Phase stabiler Preise bei der vorangegangenen Auktion, bei der vor zwei Wochen lediglich ein Anstieg von 0,1 % verzeichnet worden war. Rosalind Crickett, Analystin für Milchprodukte an der New Zealand Exchange, bezeichnete das Ergebnis in einer Mitteilung als erneut positiv für die meisten Milchprodukte.
„Die Marktstimmung dreht sich auch in den letzten Wochen weiterhin um denselben Punkt. Zwar war die weltweite Milchproduktion in den meisten Regionen im bisherigen Jahresverlauf stark, doch könnten Rekordtemperaturen auf der Nordhalbkugel – gepaart mit dem womöglich stärksten jemals verzeichneten El-Niño-Phänomen auf der Südhalbkugel in den kommenden Monaten – die Dynamik auf der Angebotsseite verändern.“
Zudem betonte Crickett, dass für Käufer nun ein entscheidender Zeitpunkt sei, um ihre Bestellungen unter Dach und Fach zu bringen. Der Preis für das wichtige Vollmilchpulver stieg um 3 % auf 3.591 US-Dollar (6.116 Dollar). Auch der Preis für Magermilchpulver legte zu – um 7,6 % – und bewegte sich damit nahe an den Höchstständen der letzten zwölf Monate, die im Mai dieses Jahres verzeichnet worden waren.
Laut Crickett entsprach dies den Erwartungen, da Bedenken hinsichtlich der künftigen Milchproduktion bestanden. „Während die jüngsten Daten aus Europa und den USA weiterhin Wachstum zeigten, berichten Landwirte aus Europa, dass sie angesichts der Dürre bereits auf ihre Winterfuttervorräte zurückgreifen müssen.“
Butter verbilligte sich unterdessen um 2 % und wasserfreies Milchfett um 6 % – eine Entwicklung, die auf das reichliche weltweite Angebot an Milchfetten zurückgeführt wird. Ansonsten legte Mozzarella um 6,1 % zu, Laktose stieg um 3,2 % und Cheddar erhöhte sich um 0,6 %, während der Preis für Buttermilchpulver um 3,5 % fiel. Insgesamt wurden 41.054 Tonnen an 130 erfolgreiche Bieter verkauft; bei der vorangegangenen Auktion waren es noch 40.504 Tonnen an 132 Bieter gewesen.
In der vergangenen Woche hob Fonterra seine Prognose für das Buttervolumen der kommenden zwölf Monate um 4,7 % an, während die US-Butterproduktion im Juni im Jahresvergleich um 8,5 % und die europäische Produktion im Mai um 5,4 % zunahm.
China kaufte 46 Prozent der angebotenen Mengen
Crickett erklärte, die im Laufe dieser Woche erwarteten Zahlen zur neuseeländischen Milchproduktion dürften den Trend zum Wachstum im Jahresvergleich bestätigen; Berichte von Landwirten aus dem ganzen Land deuteten zudem darauf hin, dass die Weidebedingungen weiterhin gut seien und derzeit ausreichend Ergänzungsfutter zur Verfügung stehe. Die Nachfragegrundlage wurde auch durch rege Kaufaktivitäten asiatischer Abnehmer gestärkt, wobei China 46 Prozent der insgesamt angebotenen Mengen an Pulver, Milchfetten und Laktose abnahm.
Die chinesische Rohmilchproduktion ist angesichts der strukturellen Bereinigung der Milchviehbestände weiterhin rückläufig, während die inländischen Lagerbestände an Magermilchpulver schätzungsweise um 40 bis 50 Prozent gesunken sind. Dieses Angebotsdefizit in Asien sorgte – in Verbindung mit der allgemeinen Marktdynamik bei funktionellen Milchproteinen – für den nötigen Kaufimpuls, um die Referenzpreise für Pulver anzuheben.
Im Gegensatz zur Situation auf der Nordhalbkugel dürften die für Juli erwarteten Produktionsdaten aus Neuseeland auf einen guten Weidezustand und ausreichende Futtervorräte hinweisen, was eine solide Ausgangsbasis für die Exportsaison 2026/27 schafft. Die Diskrepanz zwischen anziehenden Proteinpreisen und nachgebenden Preisen für Milchfett verdeutlicht jedoch eine Verschiebung im Produktmix.
Für internationale Käufer und regionale Exporteure wird das Zusammenspiel zwischen der chinesischen Nachfrage zur Wiederauffüllung der Lagerbestände und dem wetterbedingten Rückgang des Angebots in den kommenden Monaten weiterhin entscheidend für die Preisbildung sein.
Mit Material von edairynews.com, nzherald.co.nz
Quelle: agrarheute
Die Preise für Biomilch gehen seit Jahresbeginn zurück. Im Juli haben einige Biomolkereien ihre Preise unter 60 Cent gesenkt. Bereits im Mai sind die Biomilchpreise erstmals wieder unter den Auszahlungspreise des Vorjahres gefallen. Ein Grund dürfte die deutlich über dem Vorjahr liegende Milchmenge sein. Der Preisabstand zu konventioneller Milch ist mit 25 Cent dennoch mehr als doppelt so groß wie im Vorjahr als es 11 Cent waren.
Im Juni betrug der Rückstand der Biomilchpreise zum Vorjahr nach den Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rund 1 Cent. Im Juli dürfte sich der Rückgang weiter beschleunigt haben, zeigen die aktuellen Preismeldungen der deutschen Biomolkereien. So haben nach den Informationen der Biomilch-Information von Bioland immerhin 12 Molkereien ihre Preise gesenkt.
Nach den Meldedaten der Molkereien sind bei einigen Molkereien die Grundpreise zum Teil recht deutlich unter 60 Cent gerutscht ist. So beispielsweise bei der Molkerei Schwarzwaldmilch und auch bei Biomolkerei Upländer. Die Milchpreiserfassung der BLE weist für Juni einen Biomilchpreis von 63,68 Cent (Mai: 64,24) je kg bei natürlichem Fettgehalt und von 64,28 Cent (Mai: 64,31) bei einem Fettgehalt von 4 % aus.
Auch der Milchindustrieverband weist in seinem Marktbericht darauf hin, dass bei Biomilch der Erzeugerpreis unter den des Vorjahres gefallen ist. Ein Grund für den anhaltenden Preisdruck dürfte – ähnlich wie bei konventioneller Milch – die deutlich über dem Vorjahr liegende Milchanlieferung bei Biomilch sein. So zeigen die Daten der BLE bei der Biomilchanlieferung für Juni einen Zuwachs von 5,7 % zum Vorjahr – im Mai betrug das Plus 6,5 % und im März sogar 8,7 %.
Dieser große Zuwachs drückt natürlich mächtig auf die Biomilchpreise. Die Dürre und der daraus resultierende Futtermangel, vor allem in den Biomilchhochburgen in Bayern und Baden-Württemberg, dürften den Milchzuwachs jedoch deutlich abbremsen und könnten die Biomilchpreise wieder stabilisieren (ähnlich wie bei konventioneller Milch).
In Bayern, wo knapp 50 % der deutschen Biomilch erzeugt werden, beträgt der Zuwachs der Milchanlieferung gegenüber dem Vorjahr im Juni nur noch 2 % - nachdem es im März noch 5,6 % waren.
Preisabstand zu konventioneller Milch 25 Cent!
Fakt ist auch, dass der Preisabstand zwischen Biomilch und konventioneller Milch, trotz der rückläufigen Biomilchpreise, so groß ist wie lange nicht. Allerdings steigen die konventionellen Milchpreise seit April wieder kontinuierlich – während die Biomilchpreise noch immer fallen.
Im Juni betrug der Preisabstand zwischen Bio und konventionell immerhin noch gut 25 Cent je kg Milch. Im vorigen Jahr betrug die Differenz zum gleichen Termin (Juni) lediglich 11 Cent je kg und war nicht einmal halb so groß. Trotzdem stellen nicht kaum Milcherzeuger von konventionell auf Bio um, berichten etwa die Bioexperten der Landwirtschaftskammer NRW auf ihrem Onlineportal.
Die höchsten Biomilchpreise zahlen im Moment die Molkereien in Bayern mit rund 64,9 Cent je kg bei 4 % Fett und die niedrigsten Biomilchpreise bekommen die Bauern in Schleswig-Holstein mit 60,78 Cent – wo die Preise zuletzt auch am stärksten gefallen sind. Aus Niedersachsen werden 64,81 Cent gemeldet und aus Nordrhein-Westfalen 62 Cent.
Die Preise für Milchprodukte und Biomilchprodukte bewegen sich im Handel Mitte 2026 seitwärts, berichtet der Milchindustrieverband (MIV) und werden durch Aktionen unterstützt. Verbraucher honorieren dies mit gestiegenen Abkäufen bei Weidemilch, Quark, Butter und auch Käse. Rückläufige Milchmengen und gute Abverkaufszahlen lassen das Angebot bei Milchprodukten sinken und stabilisieren die Preise im LEH und letztlich auch bei den (Bio)Milcherzeugern.
Quelle: agrarheute
20.08.2026 (AMI) – Die Kuhmilchanlieferung an deutsche Molkereien bewegte sich in den ersten sechs Monaten von 2026 deutlich über der Vorjahreslinie. Auf Bundeslandebene nahmen die Milchmengen im ersten Halbjahr flächendeckend zu.
Insgesamt produzierten die inländischen Erzeuger von Januar bis Juni 2026 knapp 16,8 Mio. t konventionelle und ökologische Milch. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete das einen Anstieg um 6,3 % oder 989.000 t.
Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete Niedersachsen mit einem Zuwachs um 259.000 t (7,1 %). Auch in Bayern fiel das Wachstum mit 240.000 t (6,1 %) ähnlich stark aus. Den höchsten prozentualen Anstieg verzeichnete im ersten Halbjahr die Region Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland mit 8,3 %. Aber auch in weiteren Bundesländern ergaben sich spürbare Zuwächse. So unter anderem in Baden-Württemberg um 7,8 % und in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein um jeweils 6,7 %. Der geringste Anstieg entfiel mit 11.000 t (2,9 %) auf Thüringen. Während die konventionelle Erzeugung dort im Vorjahresvergleich zugelegt hatte, wurde für die Bio-Milchanlieferung ein Minus ausgewiesen. Dies war die einzige rückläufige Entwicklung auf Bundeslandebene in der Halbjahresbetrachtung. Allerdings war dieser Rückgang vor allem strukturell bedingt, da bereits der Wegfall eines einzelnen größeren Bio-Milchviehbetriebs bei der insgesamt geringen Erzeugerbasis in Thüringen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtmenge hat.
Quelle: AMI
20.08.2026 (AMI) – Die deutschlandweite Milchanlieferung ging Anfang August saisonbedingt weiter zurück. Anhaltend hochsommerliche Temperaturen und deren Auswirkungen verstärkten den Rückgang zuletzt zusätzlich.
Anfang August zeigte sich angesichts der anhaltend hochsommerlichen Temperaturen in Deutschland eine weitere Delle bei der bundesweiten Milchanlieferung. Unter anderem infolge des Hitzestresses der Milchkühe ging das Rohstoffaufkommen wieder deutlicher zurück. Gleichzeitig verschärfte sich die Futtersituation aufgrund der Trockenheit und fehlender Niederschläge, insbesondere in Süddeutschland. Regional kam es dadurch bereits zu Bestandsabstockungen. Zudem dämpfte das sich zunehmend ausbreitende „Shamonda-like“-Virus mit dem Symptom sinkender Milchleistungen die bundesweiten Milchmengen zusätzlich. In der 32. Kalenderwoche lag die Milchanlieferung nach Berechnungen der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) bundesweit um 2,4 % unter dem Niveau der Vorwoche, für die lediglich ein Rückgang um 0,6 % ermittelt worden war. Die Anlieferungsmengen näherten sich damit weiter der Vorjahreslinie an; Anfang August wurde diese lediglich noch um 1,8 % übertroffen. In der Summe der ersten 32 Kalenderwochen fiel das Milchaufkommen im Vergleich zum Vorjahr jedoch weiterhin rund 5,5 % höher aus.
Quelle: AMI
Die Rinderpreise steigen wieder kräftig. Nach dem Preissturz der letzten Wochen – besonders bei Kühen – geht es zweistellig nach oben. Grund ist ein knappes Angebot. Die Kälberpreise geben jedoch noch einmal deutlich nach.
Am deutschen Schlachtrindermarkt fallen die Angebotsmengen sehr überschaubar aus und treffen auf eine gute Nachfrage. Ansteigende Preise für alle Gattungen sind die Folgen“, hatte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften VEZG diese Woche festgestellt.
Damit hat sich die Marktlage im Handel mit lebenden Schlachtrindern wieder gedreht. Während die Rinderpreise im Juli noch fielen, zeigte sich kurz nach dem Monatswechsel bereits eine Stabilisierung. Nun zahlen die Schlachter für Jungbullen Schlachtkühe und Färsen deutlich mehr Geld.
Vor allem das Angebot an Jungbullen wird von Händlern und Schlachtern als knapp beschrieben. Obwohl die Nachfrage nach höherpreisigen Rindfleisch vom Jungbullen saisongemäß nicht besonders hoch ist, reicht das Bullenangebot auch für diesen Bedarf nicht aus. Gleichzeitig sind auch Schlachtkühe bundesweit nicht besonders reichlich, während im Kuhfleisch aktuell gut gefragt ist.
Nur in Süddeutschland werden regional höhere Zahlen von Schlachtkühen wegen Futterknappheit und Dürre gemeldet. Insgesamt sorgt das knappe Angebot an Schlachtrindern und der Wettbewerb der Schlachter für steigenden Preise sowohl für männliche als auch für weibliche Schlachtrinder.
Im Großhandelsgeschäft mit Rindfleisch wird zudem von einer belebten Nachfrage nach Hackfleisch durch Fast-Food-Ketten berichtet. Auch hier legen die Preise zu. Rindfleisch aus Südamerika ist nach Aussagen von Marktbeobachtern derzeit kaum im Angebot.
Der Preisanstieg am Schlachtrindermarkt hat für den Kälberhandel noch keine Impulse gebracht. Mitunter wurden die Kälberpreise sogar nochmals reduziert. Die Nachfrage der Kälber- und Bullenmäster bleibt noch verhalten.
Rinderpreise steigen nach Absturz kräftig
Am Montag, den 10.08.2026 nannte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) bundesweit für QS-Ware einen R3-Jungbullenpreis für Fleckvieh und Fleischrassen in von 6,10 EUR/kg SG. Der Preis für Schlachtkühe der Klasse O3 (310 kg) stieg zuletzt auf ein Niveau von 5,00 EUR/kg SG. Das waren jeweils 10 Cent mehr als in der Vorwoche.
In der vorigen Woche (bis 09.08) zahlten die Schlachter für Jungbullen der Handelsklasse R3 im Bundesmittel nach den offiziellen Daten der BLE 6,17 Euro je kg SG und damit 1 Cent mehr als in der Vorwoche. Auf diesen Preis dürften diese Woche die oben genannten 10 Cent oben drauf kommen. Für Jungbullen der Handelsklasse O3 lagen die Preise im Bundesmittel vorige Woche bei 5,87 Euro je kg SG und damit 2 Cent höher. Für Spitzenbullen der Hkl. U3 zahlen die Schlachter zuletzt 6,13 Euro je kg SG.
Bei Schlachtfärsen zahlten die Schlachter in der vorigen Woche für R3-Färsen 5,97 Euro je kg und damit unveränderte Preise. Für O3-Färsen lagen die Preise im Bundesmittel bei 5,08 Euro je kg und sogar 2 Cent niedriger.
Für R3-Kühe zahlten die Schlachter im Bundesmittel vorige Woche 5,25 Euro je kg SG und damit 20 Cent weniger als in der Woche zuvor. Auch auf diesen Preis dürften diese Woche jedoch die oben genannten 10 Cent wieder oben drauf kommen. Für O3-Kühe lagen die Preise zuletzt bei 5,02 Euro und damit 14 Cent niedriger als in der Woche zuvor. Für Verarbeitungsqualitäten der P2-Kühe wurden 4,43 je kg SG gezahlt. Ein Abschlag von 1 Cent.
Derzeit kosten schwarzbunte Bullenkälber (60 kg) etwa 266 Euro je Tier, berichtet die Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen. Das sind 17 Euro weniger als in der Vorwoche und sogar 97 Euro mehr als im vorigen Jahr zum gleichen Termin mit Kälberpreisen von 353 Euro je Tier.
Quelle: agrarheute
Im Juli sind die Milchpreise moderat gestiegen. Die Preismeldungen der Molkereien lassen einen leichten Preisanstieg von etwa 1 Cent erkennen. Das gilt aber nur für einen Teil der Molkereien. Ein großer Teil ließ die Preise auch unverändert. Der Rohstoffwert ist im Juli – nach einem Rückgang in den beiden Vormonaten - ebenfalls leicht gestiegen, und liegt damit jedoch etwas unter den Milchpreisen. Die Milchanlieferung ist aktuell jedoch erheblich größer als im vorigen Jahr.
Im Juli hat ein Teil der Molkereien die Milchpreise, die sie an ihre Milchbauern zahlen, leicht erhöht. Bei einem erheblichen Teil der Molkereien blieben die Milchpreise jedoch auch unverändert. Die meisten Preismeldungen lassen einen durchschnittlichen Milchpreis 1 bis 2 Cent über dem Niveau des Rohstoffwerts (36 Cent) erkennen. Im August dürften die Molkereien ihre Milchpreise wahrscheinlich unverändert lassen – denn die Milchpreise liegen derzeit über dem Rohstoffwert. Das bestätigen auch alle anderen aktuellen Indikatoren.
Im Juni hatten etliche Molkereien ihre Milchpreise bereits um 1 bis 2 Cent erhöht. Im Juli hat sich die Preiserholung fortgesetzt, doch nur ein Teil der Molkereien zahlt seinen Milchbauern nochmals rund 1 Cent Milchgeld mehr. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die Milchpreise jetzt 14 bis 17 Cent niedriger.
Vor allem im Norden hatten sich die Milchpreise zuletzt wieder erholt. Aber auch im Süden, im Westen und im Osten Deutschlands zahlten die Molkereien ihren Milchbauern etwas mehr Milchgeld aus. Mittlerweile liegen die Milchpreise (Grundpreise) bei den meisten norddeutschen Molkereien zwischen 38 und 40 Cent je Liter. Die untere Grenze liegt allerdings bei 33 Cent und nach oben geht es bis leicht über 40 Cent.
Milchpreise im Süden, Osten und Westen kaum verbessert
Im Süden sind die Milchpreise derzeit nicht viel höher als im Norden. Im Gegenteil. Viele Molkereien haben noch Grundpreise unter 38 Cent. Auch für Juli sieht es im Süden allenfalls nach einer moderaten Erholung der Milchpreisen aus. Überwiegend dürften sich die Milchpreise wenig verändern, wobei der übliche Preisvorsprung zum Norden eigentlich nicht mehr vorhanden ist. Insgesamt ist das Niveau der Milchpreise im Süden derzeit also nicht viel höher als im Norden und die Preiserhöhungen im Juli fallen noch moderater aus.
Die meisten süddeutschen Molkereien hatten ihren Milchbauern im Juli Milchpreise zwischen knapp 33 Cent und 38 Cent ausgezahlt und haben damit eine größere Preispanne als die Unternehmen im Norden. Nur ganz wenige Molkereien zahlen etwas mehr als 40 Cent und vereinzelt liegt der Milchpreis (Grundpreis) auch unter 33 Cent. Im August dürfte sich dieses Niveau nur wenig verändern.
Im Westen Deutschlands haben einige wenige Molkereien nach den bislang vorliegenden Daten ihre Auszahlungspreise im Juli ebenfalls um 1 Cent erhöht oder zumeist unverändert gelassen. Überwiegend bekommen die Milchbauern für ihre Milch im Westen Deutschlands im Juli zwischen 33 und 38 Cent. Bei einigen Unternehmen liegen die Grundpreise nur bei 32 bis 33 Cent.
In Ostdeutschland haben die Molkereien die Milchpreise im Juli meist unverändert gelassen. Damit dürften die Milchbauern für ihre Milch in Ostdeutschland zwischen 31,5 und gut 38 Cent je kg bekommen.
Rohstoffwert unter den Milchpreise – Börsenmilchwert steigt
Der vom ife-Institut errechnet Rohstoffwert der Milch – ein aus den Verkaufspreisen von Butter und Magermilchpulver ermittelter theoretischer Milchpreis – ist im Juni ganz leicht gestiegen um 0,3 Cent auf 36 Cent. Im Juni war der Rohstoffwert noch ganz um 1,8 Cent auf 35,7 Cent kräftig gefallen. Das ist im Juli der erste leichte Anstieg, nachdem der Rohstoffwert zwei Monate gefallen ist – Im vorigen Jahr zur gleichen Zeit lag der Rohstoffwert noch bei 48,7 Cent! Danach ging es dann aber steil nach unten.
Aktuell zeigen die Marktindikatoren für die kommenden Monate eine leichte Verbesserung der Marktlage an. Die Börsenmilchwerte, die die Entwicklung der Rohstoffwerte für die nächsten Monate aus den Börsenpreisen von Butter und Magermilchpulver ableiten, zeigen für August und September einen leichten Anstieg der Börsenmilchwerte an.
Aktuell notiert der Augusttermin 2026 bei 38,7 Cent und damit auf dem fast 2 Cent über dem Niveau des Rohstoffwerts. Der September 2026 notiert bei 39,6 Cent und der Oktober 2026 bei 41,1 Cent. Danach geht es mit den Börsenmilchwerten weiter leicht nach oben. Bis auf 41,9 Cent im Dezember 2026.
Die schwierige Marktlage (und das große Milchangebot) spiegelt sich auch in den Preisen für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch wider. Dort zahlen die Molkereien aktuell im Süden Deutschlands weiter nur 36,5 Cent für die Milch und im Norden 34,5 Cent.
Die Anlieferungsmenge liegt nach den Daten des Milchindustrieverbandes Anfang August – trotz Hitzewelle - mit 4,2 Prozent sehr deutlich über dem Vorjahreswert. Das lässt kaum eine stärkere Erholung der die Milchpreise erwarten.
Quelle: agrarheute
13.08.2026 (AMI) – Die Milchanlieferung in den USA hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich zugelegt. Neben einer höheren Kuhzahl sorgte auch eine steigende Milchleistung für mehr Rohstoff.
Im ersten Halbjahr 2026 hat sich in den USA die expansive Entwicklung der Milchanlieferung fortgesetzt, die bereits 2025 das Bild bestimmt hatte. Von Januar bis Juni lagen die Milchmengen stetig über der Vorjahreslinie. Der Vorsprung pendelte dabei zwischen 3,5 % im Januar und 2,1 % im Mai. In der Summe wurden in der ersten Jahreshälfte in den Vereinigten Staaten knapp 53,9 Mio. t Milch an die Molkereien geliefert und damit 2,7% mehr als in den ersten sechs Monaten von 2025.
Auf Ebene der einzelnen Staaten waren ebenfalls überwiegend Zuwächse zu beobachten. Den mit Abstand deutlichsten Anstieg verzeichnete das Milchaufkommen in Kansas, wo die Zuwachsraten im Vorjahresvergleich im zweistelligen Prozentbereich lagen. Auch in den für die Milchproduktion mengenmäßig bedeutendsten Mitgliedstaaten der USA, Kalifornien und Wisconsin, gefolgt von Texas, Idaho und New York, wurden im ersten Halbjahr deutliche Mehrmengen an Rohstoff produziert als im Vorjahreszeitraum. In Pennsylvania, Washington und New Mexico wurde dagegen weniger Milch erfasst als von Januar bis Juni 2025.
Quelle: AMI
Die Milchpreise führender Molkereien in Europa blieben im Juni stabil. Trockenheit reduzierte die Milchmengen zuletzt deutlich. So viel zahlten DMK und Hochwald den Landwirten.
Der internationale Milchpreisvergleich der European Dairy Farmers (EDF) und ZuivelNL zeigt für Juni 2026 ein gemischtes Bild. Während der Durchschnittspreis gegenüber Mai nur minimal nachgab, mussten vor allem Lieferanten des Deutschen Milchkontors (DMK) deutliche Einbußen hinnehmen. Ursache ist eine Preisanpassung im Zuge der Fusion mit dem Molkereiriesen Arla.
Der durchschnittliche Standardmilchpreis (4,2 % Fett, 3,4 % Eiweiß) lag in dem gemeinsamen Milchpreisvergleich von EDF und ZuivelNL im Juni 2026 bei 40,04 € pro 100 kg. Das entspricht einem leichten Rückgang von 0,10 € (-0,2 %) gegenüber dem Vormonat. Dramatischer ist jedoch der langfristige Vergleich: Das Preisniveau liegt aktuell mehr als 20 % unter dem Vorjahresmonat.
Deutsche Molkereien: DMK mit deutlichem Minus
Für die Lieferanten des DMK verlief der Juni wenig erfreulich. Der Milchpreis sank um 1,99 Euro auf 39,55 € je 100 kg. Dieser Rückgang wird unter anderem auf eine geänderte Preismethodik im Zuge der Fusion mit Arla zurückgeführt. Im 12-Monats-Durchschnitt steht das DMK mit 44,44 € jedoch solide da, übertraf den Mittelwert der Vergleichsmolkereien sogar um 0,40 Euro.
Die Genossenschaft Hochwald Milch hielt den Auszahlungspreis im Juni stabil bei 36,96 €. Damit bildet Hochwald aktuell das Schlusslicht unter den betrachteten deutschen Unternehmen und liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 40,04 €. In den Hochwald-Preisen sind bereits Zuschläge für gentechnikfreie Fütterung (1,00 €) sowie Boni für Nachhaltigkeit und CO₂-Reduktion enthalten.
Arla und FrieslandCampina mit minimalen Abschlägen
Die für den deutschen Markt sehr relevanten Genossenschaften Arla Foods und FrieslandCampina konnten sich im Juni behaupten. Mit einem Milchpreis von 39,99 € landete Arla fast punktgenau auf dem Durchschnittswert von 40,04 Euro je 100 kg. Die minimale Anpassung von –0,01 € war lediglich Wechselkurseffekten geschuldet. Besonders stark schlägt bei Arla der Nachhaltigkeitszuschlag (FarmAhead) zu Buche, der mit insgesamt 2,98 € einkalkuliert wurde.
Die niederländische Molkerei FrieslandCampina zahlte im Juni 40,28 €. Trotz eines leichten Rückgangs um 0,24 € aufgrund geringerer Fett- und Eiweißwerte liegt FrieslandCampina damit leicht über dem Durchschnitt.
Marktumfeld: Hohes Milchangebot bremst die Preise
Die Ursache für die verhaltene Preisentwicklung ist vor allem im hohen Angebot zu finden. Die EU-Milchanlieferungen stiegen seit Jahresbeginn bis einschließlich Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,9 %. Insbesondere in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Polen wuchs die Menge kräftig.
Die Hitzewelle im Juli sorgte jedoch für einen vorübergehenden scharfen Rückgang der Anlieferungen. Die Butterpreise zogen leicht an, doch reichte dies aufgrund der hohen Lagerbestände und einer begrenzten Nachfrage bisher nicht für eine nachhaltige Trendwende bei den Auszahlungspreisen.
Quelle: agrarheute
13.08.2026 (AMI) – An den Pulvermärkten war die Lage Mitte August überwiegend ruhig. Die anhaltende Trockenheit und die rückläufige Milchanlieferung sorgten jedoch für zunehmende Unsicherheit über die Warenverfügbarkeit zum Jahresende. Der Preise für Molkenpulver zeigten sich weitgehend stabil.
Der Handel mit Molkenpulver in Lebensmittelqualität verlief Mitte August weiterhin in ruhigen und geordneten Bahnen. Für Liefertermine im vierten Quartal lagen den Herstellern zwar Anfragen vor, beim Abschluss neuer Kontrakte bremsten jedoch unterschiedliche Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. Die Preise zeigten sich gegenüber den vergangenen Wochen kaum verändert.
Bei Molkenpulver in Futtermittelqualität kam aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der Unsicherheit über die Versorgung im Herbst etwas Bewegung in den Markt. Zumeist blieb es jedoch bei Gesprächen ohne neue Abschlüsse. Die Preise entwickelten sich teilweise stabil, teilweise leicht steigend.
Die Kemptener Börse beließ die Spanne für Molkenpulver in Lebensmittelqualität am 12.08.26 mit 1.830 bis 2.050 EUR/t unverändert auf dem Niveau der Vorwoche. Hingegen wurde die Spanne für Futtermittelqualitäten im Schnitt um 10 EUR/t auf 1.350 bis 1.400 EUR/t angehoben.
Quelle: AMI
In Frankreich, der Schweiz und in Deutschland erkranken Rinder an einem unbekannten Virus. Nun fand ein Bundesinstitut hohe genetische Übereinstimmungen mit einer bestimmten Erregergruppe – mit speziellen Krankheitsfolgen.
Ein neues Virus ist nach Europa eingeschleppt worden und breitet sich nun bei Rindern in Süddeutschland aus. Die betroffenen Tiere zeigten Fieber und Durchfall, Milchkühe gaben weniger Milch, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erklärte, das als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit fungiert. Übertragen wird das Virus durch blutsaugende Gnitzen.
Das FLI bei Greifswald untersuchte vier Proben aus Baden-Württemberg und kam zu dem Schluss, dass es sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe handelt. Viren dieser Gruppe kämen vorwiegend in Afrika, Asien und Australien vor.
Das neue Virus gehört zu einer Gruppe, zu der auch das Schmallenberg-Virus gehört. Dieses war 2011 nach Deutschland gelangt und sorgte in den darauffolgenden Jahren vor allem bei Schafen für Fehlgeburten und Missbildungen. Mehr als 2000 Höfe waren damals betroffen.
Infiziert mit Viren dieser Gruppe werden demnach überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Außerdem wurden Antikörper bei Alpakas, Bisons, Rehen, Rotwild, Damwild und Muffelwild nachgewiesen.
Das Schmallenberg-Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar. Laut dem Institut stelle das neue Virus „nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar“. Das müsse nun aber genauer untersucht werden.
Laut FLI führen Infektionen mit Viren der Gruppe bei erwachsenen Tieren in der Regel lediglich zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. „Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.“
Inwiefern derartige Probleme infolge des nun nachgewiesenen Virus auftreten, müsse noch untersucht werden, erklärte das Institut. Da die entsprechenden Mücken noch bis November aktiv sind, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus gerechnet werden.
„Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt“, sagte eine FLI-Sprecherin. Möglicherweise ginge es jetzt darum, rasch einen Impfstoff zu entwickeln.
Aufgefallen waren laut FLI erkrankte Rinder in der Schweiz und Frankreich – und im Juli auch Rinder in zahlreichen Beständen in Süddeutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Die Symptome entsprachen demnach zunächst dem Schmallenberg-Virus. Untersuchungen auf diesen oder andere bekannte Erreger verliefen demnach jedoch negativ.
Das FLI konnte nach eigenen Angaben schließlich eine große genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren nachweisen. In einer Pressemitteilung wird das inzwischen nachgewiesene Virus daher auch als „Shamonda-like“ (englisch für „Shamonda-ähnlich“) bezeichnet.
Nach 2011 sei nun erneut ein exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden, stellte Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, fest. „Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch es sich ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.“
dpa/lpi
Quelle: Welt
Kaum Gras, schwacher Silomais, leere Futterlager: Die Dürre zwingt erste Rinderhalter dazu, ihre Bestände zu verkleinern.
Die anhaltende Dürre setzt besonders Rinder- und Milchviehhalter in vielen Regionen Deutschlands zunehmend unter Druck. Grünland wächst kaum noch nach, beim Silomais drohen massive Ertrags- und Qualitätseinbußen. Besonders dramatisch schildert Jürgen Vogelsang vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd die Situation: Auf zahlreichen Betrieben hat die Winterfütterung bereits Monate zu früh begonnen. Erste Landwirte reduzieren ihre Tierbestände – mit Folgen, die sich erst in den kommenden Monaten vollständig zeigen dürften.
Wie unterschiedlich die Lage regional ist, zeigen Rückmeldungen mehrerer Bauernverbände auf eine Anfrage von agrarheute. Während in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen aktuell noch kein akuter Futtermangel gesehen wird, sprechen Verbände in Süd- und Westdeutschland von erheblichen Problemen. In Südbaden schlagen Betriebe bereits Alarm. Auch aus Hessen werden regional akute Futterengpässe gemeldet.
Dürre in Rheinland-Pfalz: Milchviehhalter spricht von „katastrophaler“ Lage
Besonders eindringlich beschreibt Milchviehhalter Jürgen Vogelsang, Vizepräsident und Vorsitzender des Milchausschusses beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, die Lage in seiner Region. Seit Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni hat es dort kaum geregnet. Regionale Gewitter hätten wenig geholfen. Teilweise sei das Wasser so heftig gefallen, dass es oberflächlich ablief und den Pflanzen nichts nützte.
Besonders betroffen sei der äußerste Südwesten von Rheinland-Pfalz an der Grenze zum Saarland und Richtung Frankreich. Vogelsang bezeichnet die Lage dort als nahezu katastrophal. Außergewöhnlich heiße Tage verschärften die Probleme.
Für tierhaltende Betriebe werde die Situation zunehmend existenziell. Beim Silomais als wichtigster Futtergrundlage drohten erhebliche Ertragseinbußen. Einzelne Bestände erreichten laut Vogelsang nur 10 bis 15 % der normalen Erträge. Zudem fehlten die Kolben oder seien schlecht entwickelt. Den Betrieben fehle damit sowohl Futtermenge als auch -qualität.
Futtermangel zwingt Landwirte schon im Sommer an die Winterreserven
Die Folgen der Dürreschäden im Futterbau sind auf den Betrieben längst angekommen. In Vogelsangs Region hat vielerorts die Winterfütterung faktisch bereits begonnen – drei bis vier Monate früher als üblich. Was die Kühe jetzt fressen, fehlt jedoch im Winter.
Gleichzeitig müssen viele Landwirte Futter zukaufen. Doch geeignetes Futter muss verfügbar sein und verursacht zusätzliche Kosten, die in der ohnehin angespannten betrieblichen Kalkulation nicht vorgesehen waren.
Auch in anderen Regionen verschärft sich die Lage. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) berichtet, dass viele Betriebe bereits Winterfutterreserven einsetzen, auf den Weiden zufüttern oder die Weidezeiten reduzieren. Manche planen sogar einen vorzeitigen Weideabtrieb, weil kaum noch nennenswerter Aufwuchs vorhanden ist.
Futterknappheit zeigt Folgen: Bauern verkaufen Kühe und verkleinern Herden
Die Futterknappheit schlägt inzwischen auch auf die Tierbestände durch. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband berichtet von Bestandsregulierungen und steigenden Schlachtzahlen im Rinderbereich. Als Ursachen nennt der BLHV sowohl die unsichere Futterversorgung als auch die angespannte wirtschaftliche Situation der Betriebe. Setzt sich die Trockenheit fort und fehlt zusätzliches Futter, könnten weitere Bestandsanpassungen notwendig werden.
Konkrete Zahlen liefert der Bayerische Bauernverband (BBV): Bis zur Kalenderwoche 29 seien die Schlachtungen nahezu unverändert gewesen. In Kalenderwoche 30 waren es dem BBV zufolge 400 Kühe mehr als in Kalenderwoche 25. In Kalenderwoche 31 stieg die Zahl auf 5.500 statt 4.500 Kühe – ein Plus von 1.000 Tieren. Als mögliche Gründe nennt der BBV sowohl die Futterknappheit als auch den niedrigen Milchpreis.
Auch Vogelgesang beobachtet, dass Betriebe bereits Tiere verkaufen und ihre Bestände verkleinern. Dahinter steht eine harte betriebswirtschaftliche Rechnung: Lohnt es sich noch, eine Kuh zu halten, wenn das notwendige Futter teuer zugekauft werden muss?
Wie stark die Herden reduziert werden, unterscheidet sich laut Vogelgesang von Hof zu Hof. In manchen Fällen hält er Größenordnungen von etwa 10 bis 20 Prozent für denkbar, betont allerdings, dass sich dies nicht pauschal beziffern lasse. Auch Tierhändler hätten ihm von ungewöhnlich starken Aktivitäten berichtet. Während der Tierhandel im Sommer normalerweise eher ruhig sei und größere Verkäufe häufig erst im Herbst erfolgten, würden Bestände dieses Jahr teilweise deutlich früher angepasst.
Weniger Kühe, weniger Milch: Bestandsabbau könnte Produktion deutlich drücken
Der Verkauf von Tieren ist für Landwirte jedoch keine einfache Lösung. Zwar sinkt kurzfristig der Futterbedarf und der Verkauf bringt Geld. Doch jede verkaufte Milchkuh fehlt später im Stall – und damit ihre Milch.
Vogelgesang warnt deshalb vor den langfristigen Folgen eines Bestandsabbaus: Wer jetzt weniger Kühe hält, kann im Winter weniger Milch verkaufen. Der Schritt lindert zwar den akuten Futtermangel, schmälert aber Produktionsmöglichkeiten und Einnahmen.
Vogelgesang erwartet daher eine sinkende Milchproduktion. Gründe seien weniger Kühe, Futtermangel, schlechtere Futterqualität und geringere Erträge. Da die Trockenheit große Teile Deutschlands und Europas betrifft, könnte insgesamt weniger Milch verfügbar sein. Im Winter könnte sich das auch bei den Preisen der Endprodukte bemerkbar machen.
Höhere Milchpreise bedeuten für die Betriebe jedoch nicht automatisch höhere Erlöse. Zunächst müssten sie die geringere Milchmenge ausgleichen. Entscheidend sei zudem, dass höhere Verbraucherpreise tatsächlich bei den Erzeugern ankommen.
Auch in Westfalen droht Futtermangel: Maisernte fällt deutlich schwächer aus
Noch ist die Situation nicht überall so weit fortgeschritten. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) berichtet, dass steigende Schlachtkuhzahlen aufgrund fehlender Wintervorräte bislang nicht bekannt seien. Allerdings unterscheiden sich die Bedingungen innerhalb Westfalen-Lippes erheblich. Im Münsterland sind nach einem guten ersten und zweiten Schnitt die Grasernte und der weitere Aufwuchs weitgehend beendet. Noch verfügen die Betriebe laut WLV über Grundfutter aus dem vergangenen Jahr, gegen Jahresende könnten jedoch Zukäufe notwendig werden. Eine schärfere Selektion finde derzeit noch nicht statt, könne zum Winter aber zum Thema werden.
Auch in Südwestfalen waren die ersten beiden Schnitte ertragreich. Der dritte Schnitt fiel jedoch schlecht aus. Beim Mais rechnen Landwirte nach Angaben des WLV derzeit mit 25 bis 30 Prozent weniger Ertrag. Auch dort wird gegen Herbst oder Winter mit einer schärferen Selektion gerechnet.
Hessen meldet erste Bestandsreduzierungen – Sorge vor dem Winter wächst
Der Hessische Bauernverband meldet ebenfalls erste Bestandsreduzierungen. Vereinzelt würden Tiere früher vermarktet oder Herden verkleinert. Von einem flächendeckenden außergewöhnlichen Anstieg der Schlachtkuhzahlen könne derzeit allerdings noch nicht gesprochen werden. Wo Bestände reduziert werden, dürfte die angespannte Futterversorgung nach Einschätzung des Hessischen Bauernverbandes eine wesentliche Rolle spielen.
Die größte Sorge richtet sich dort auf den kommenden Winter und das Frühjahr 2027. Noch können viele Betriebe auf vorhandene Vorräte zurückgreifen. Gleichzeitig fallen die aktuellen Grundfutterernten deutlich schwächer aus. Bleiben ergiebige und flächendeckende Niederschläge aus, erwartet der Hessische Bauernverband eine weitere Verschärfung.Dürre und hohe Kosten bringen landwirtschaftliche Betriebe an ihre Grenzen
Für Vogelgesang ist die Trockenheit dabei nur ein Teil eines größeren Problems. Die Höfe kämpfen gleichzeitig mit hohen Energie- und Betriebskosten. Wie groß die Belastung sein kann, zeigt er am eigenen Betrieb: Innerhalb von nur drei Monaten seien dort fast 20.000 Euro zusätzliche Dieselkosten angefallen.
Geld, das nun an anderer Stelle fehlt – beispielsweise beim dringend notwendigen Futterzukauf. Die Kombination aus steigenden Kosten, Trockenheit und Futtermangel könnte für manche Höfe zu viel werden. Vogelgesang geht davon aus, dass diese Entwicklung einige Betriebe wirtschaftlich „in die Knie zwingen“ werde.
Bauern hoffen dringend auf Regen – doch Gewitter allein reichen nicht
Kurzfristig bleibt den betroffenen Landwirten vor allem die Hoffnung auf Regen. Vogelgesang wünscht sich dabei keine heftigen Gewitter, bei denen große Wassermengen oberflächlich ablaufen, sondern beispielsweise 10 bis 15 Liter sanften Niederschlag, der tatsächlich in den Boden eindringen kann.
Bis dahin geht es auf den Höfen um das Notwendigste: die Tiere ausreichend zu versorgen, genügend Futter für den Winter zu sichern – und darauf zu hoffen, dass sich das Wetter endlich ändert.
Quelle: agrarheute