Die Halbjahrespressekonferenz der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) fand in der Niederrheinhalle, dem Auktionsstandort der Rinder-Union West eG (RUW), in Krefeld statt. Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der LV Milch NRW, erläuterte die Lage auf dem NRW-Milchmarkt: Die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte seien in den vergangenen Monaten insgesamt leicht zurück- gegangen, eine Ausnahme stellen jedoch die niedrigen Butterpreise dar, diese hätten sich nahezu halbiert. „Milch und Milchprodukte erfreuen sich sowohl auf der Verbraucherseite als auch im Handel einer anhaltend hohen Nachfrage“, erklärt Hans Stöcker, Rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW. „Gleichzeitig stehen die Milchviehbetriebe wirtschaftlich unter Druck. Trotz der guten Nachfrage liegt der Auszahlungspreis für Milch unter dem Vorjahresniveau, während die Kosten – unter anderem für Energie, Düngemittel und weitere Betriebsmittel – weiter hoch sind. Politik und Gesellschaft sind deshalb gemeinsam gefordert, die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige und sichere Lebensmittelversorgung in Deutschland zu schaffen. Angesichts geopolitischer Konflikte und wachsender Abhängigkeiten gewinnt eine starke heimische Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung.“
Der NRW-Milchmarkt in Zahlen
Von Januar bis April wurden in NRW im Vorjahresvergleich 6,5% mehr Milch gemolken, deutschlandweit sogar 6,7%. Auch in der EU (4,2%) und weltweit ist im ersten Quartal ein Anstieg zu beobachten. In Nordamerika nahm die Milchproduktion um 2,8% zu, in Südamerika um 4,3% und in Ozeanien um 4,7%. Die Notierungsergebnisse zeigen sich im ersten Quartal 2026 bei Butter und Käse unterdurchschnittlich. Bei Magermilchpulver sind die Ergebnisse deutlich über den Vorjahren - bei sinkender Tendenz. Trotz höherer Verbraucherpreise ist in den ersten Jahresmonaten der Absatz von Quark (+13,4%), Käse (+4,8%) und Joghurt (+3,7%) gestiegen. Die Erzeugerpreise mit 37,56 Cent/kg für konventionell erzeugte Milch (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß) rangieren in NRW im ersten Quartal mit einem Minus von 28,4 %, bzw. -14,88 Cent/kg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die Biomilcherzeugung ist mit einem Auszahlungspreis von im Mittel 62,63 Cent/kg die Situation mit 2,9 % über dem Vorjahr gut. Trotz einer um 16,8 % höheren Biomilchanlieferung an Molkereien im ersten Quartal 2026 ließen sich höhere Preise für Erzeuger (+2,9%) und im Handel (+6,7%) erwirtschaften. Der Abstand zwischen Konventionell und Bio zeigt sich im ersten Quartal so hoch wie noch nie.
Zuchtviehauktion der RUW
Im Rahmen der Auktion stehen die Tiere in Gruppen zunächst in den RUW-Stallungen, wo sie ausreichend Futter und Wasser zur Verfügung haben. Für die Auktion werden die Tiere sorgfältig vorbereitet, um sie gewaschen und geschoren gut für den Verkauf zu präsentieren. Dann werden sie einzeln und freilaufend in die Auktionshalle geleitet.
Im „Auktionsring“, der von allen Seiten gut einsehbare zentrale Bereich in der Nieder-rheinhalle, finden die Versteigerungen statt. Von den rund 100 anwesenden Personen geben interessierte Käufer zügig abwechselnd Gebote; das höchste Gebot erhält den Zuschlag. Am Auktionstag wechseln auf diese Weise bis zu 250 Tiere ihren Besitzer, größtenteils der Rasse Holstein-Friesian. Durch den finalen Hammerschlag des Auktionators – nach dem Ersten und Zweiten, zum Dritten – wird der Verkauf besiegelt. „Für mich ist die Auktion ein wichtiges Trendbarometer für den aktuellen Zuchtviehmarkt“, so Stefan Struben, Milchkuhhalter und erfolgreicher Züchter aus Dahlem-Schmidtheim, der regelmäßig teilnimmt. Neben Aussehen sind Milchleistung, Rasse und Zuchtwerte, Gesundheit, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit die für ihn entscheidenden zentralen Faktoren, die es bei jedem Kauf oder Verkauf abzuwägen gilt. "Der Auktionshandel bietet Transparenz, Fairness und Sicherheit mit klaren Konditionen...", so Vermarktungsexperte Yannik Warkus, Leiter des Regionalzentrums, "...auch im Hinblick auf lückenlose Abstammung, Herkunft und Gesundheit“. Die RUW ist eine Genossenschaft mit rund 16.000 Mitgliedern, die jährlich jeweils 12 Zuchtviehauktionen an den Stand-orten Münster, Hamm und Krefeld in NRW sowie in Fließem in Rheinland-Pfalz veranstaltet. Der Verband bietet umfangreiche Serviceleistungen in den Bereichen Zucht, Anpaarung, Besamung und Vermarktung, je nach individuellen Bedürfnissen.
