Das 19. Forum Milch NRW der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) fand am 9. September 2026 in der Rohrmeisterei in Schwerte statt. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten dort, wie der Branche trotz Krisen und Einschränkungen weiter wirksames Handeln ermöglicht werden kann.
Der Rheinische Vorsitzende der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Hans Stöcker, stellte in seinem Eingangsstatement fest, dass ländliche Räume gerade in Krisenzeiten ihre besondere Stärke zeigen. Wo regionale Strukturen intakt sind, sichern sie oft das, was knapp wird, wenn globale Lieferketten zusammenbrechen: eine verlässliche Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln – und damit ein Stück Resilienz, die über reine Infrastruktur hinausgeht. Sein Appell: „In den aktuell unsicheren Zeiten sollten wir die Stärke der ländlichen Räume und der mutig anpackenden Familienunternehmen in der Landwirtschaft neu entdecken und weiterentwickeln.“
Vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW ging Staatssekretär Dr. Martin Berges in seinem Grußwort darauf ein, wie die Landesregierung die Milchbranche dabei unterstützt, auf aktuelle und langfristige Anforderungen des Marktes und der Gesellschaft zu reagieren: „Unsere heimische Milchwirtschaft ist das Rückgrat des ländlichen Raums und das Fundament der Versorgungssicherheit in Nordrhein-Westfalen. Als Landesregierung stehen wir fest an der Seite unserer Betriebe, um krisenfeste Strukturen zu stärken und verlässliche Zukunftsperspektiven zu sichern."
Der Militärexperte Oberst a. D. Ralph Thiele, Präsident von EuroDefense Deutschland e. V. und Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft e. V., wies auf mögliche Szenarien hin: „Die nächste Ernährungskrise kann hybrid entstehen. Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation oder Störungen kritischer Infrastruktur können unsere Versorgung gefährden, ohne
dass ein Schuss fällt. Gerade die Milchwirtschaft zeigt diese Verwundbarkeit. Zugleich eignet sie sich hervorragend als Referenzmodell für resiliente Lebensmittelversorgung."
Angesichts aktueller Bedrohungslagen und Krisen hob Dr. Stefan Kroll vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung die Bedeutung der Landwirtschaft hervor. "Äußere und innere Sicherheit lassen sich heute nicht mehr trennen. Ob hybride Bedrohungen oder Klimakrisen – sie verlangen einen resilienteren Staat und eine Bevölkerung, die besser auf Risiken vorbereitet ist. Ernährungs- und Versorgungssicherheit ist dafür ein Schlüsselfeld: Hier können Staat und Gesellschaft gemeinsam vorsorgen, Menschen befähigen und vor Krisen schützen."
Für Detlef Latka - dem Vorsitzenden vom Milchindustrie-Verband e. V. und Geschäftsführer der Molkerei Hochwald Foods GmbH - haben die Krisen der jüngeren Vergangenheit, wie z.B. Corona, Energieengpässe aus Kriegen oder Seuchengeschehen, gezeigt, dass die Milchwirtschaft sehr schnell und effektiv reagieren kann. „Viele Molkereiunternehmen in Deutschland gehören zur kritischen Infrastruktur, d.h. sie unterliegen strengen gesetzlichen Pflichten, um sich gegen Cyberangriffe, Sabotage, Naturkatastrophen oder Stromausfälle zu wappnen.“
Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e. V. und Vorsitzender der Milcherzeuger-Vereinigung Schleswig-Holstein e. V. stellte fest: „Krisen sind kein neues Phänomen. Sie gab es immer und wird es immer geben. Landwirtschaft denkt in Dekaden und braucht daher langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik ist also gefordert, diese zu schaffen, ohne die Betriebe mit kleinteiligen Regelungen und Bürokratie zu überfrachten.“
Moderiert vom Chefredakteur des Wochenblatts für Landwirtschaft und Landleben, Patrick Liste, nutzten die Teilnehmer im Publikum die Gelegenheit, die angesprochenen Aspekte eingehend mit den Referenten zu diskutieren und zu vertiefen. Das Forum Milch NRW bot damit erneut die Bühne für den aktiven Dialog am „runden Tisch“ der Milchwirtschaft.
Fotohinweis:
- Der rund Tisch der Milchwirtschaft - von links nach rechts Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer LV Milch NRW e.V., Militärexperte Oberst a.D. Ralph Thiele StratByrd Consulting, Dr. Stefan Kroll Leiter Wissenschaftskommunikation beim Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Detlef Latka, Vorsitzender Milchindustrie-Verband e.V./Geschäftsführer bei Hochwald Foods GmbH, Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e.V./Vorsitzender MEV Schleswig-Holstein e.V., Staatssekretär Dr. Martin Berges, Landwirtschaftsministerium NRW, Patrik Liste Chefredakteur Wochenblatt, Benedikt Langemeyer Geschäftsführender Vorstand LV Milch NRW e.V., Hans Stöcker Geschäftsführender Vorstand LV Milch NRW e.V.
- Podiumsdiskussion beim Forum Milch NRW in Schwerte. von links nach rechts Moderation: Patrik Liste Chefredakteur Wochenblatt, Detlef Latka, Vorsitzender Milchindustrie-Verband e.V./ Geschäftsführer bei Hochwald Foods GmbH, Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e.V./Vorsitzender MEV Schleswig-Holstein e.V., Dr. Stefan Kroll Leiter Wissenschaftskommunikation beim Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Militärexperte Oberst a.D. Ralph Thiele StratByrd Consulting.
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