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Herausfordernde Preisschwankungen am NRW-Milchmarkt

Positive Perspektive nur auf lange Sicht


Krefeld. Aktuell gibt es Milch und Butter im Handel für weniger als einen Euro. Was viele Verbraucher freut, stellt für die Milcherzeuger in NRW eine Belastung dar. Die Auswirkungen auf den Auszahlungspreis sind besonders im Norden Deutschlands deutlich. Während die wirtschaftliche Lage der Branche bis zum dritten Quartal des vergangenen Jahres in vielen Bereichen positiv war, zeigen die Entwicklungen im letzten Quartal 2025 sowie der Ausblick auf die ersten Monate des neuen Jahres ein deutlich ernüchterndes Bild. In einer Phase in der der LEH höhere Vorgaben für Haltungsformen, Tierwohl und Tiergesundheit durchgesetzt hat, wird die aktuelle Marktlage genutzt um die Verbraucherpreise – insbesondere bei Konsummilch – und damit auch die Milchauszahlungspreise, dramatisch zu senken. Es ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Betriebe angesichts der niedrigen Auszahlungspreise aus der Milchproduktion aussteigen. Dieser Rückgang könnte mittelfristig den hohen Mengendruck am Markt verringern und langfristig zu stabileren Rahmenbedingungen führen. „Versorgungssicherheit resultiert aus langfristiger Planungssicherheit“, betont Benedikt Langemeyer, westfälischer Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch NRW), im Rahmen der Jahrespressekonferenz.

Zukunftsfähigkeit regionaler Produkte stärken
Angesichts einer zunehmend unkalkulierbaren globalen Handelssituation – geprägt unter anderem durch geopolitische Spannungen, internationale Handelskonflikte, den Klimawandel sowie politische Entwicklungen in den USA, China und der Ukraine – sei es unerlässlich, dass Politik, Branche und Handel in Deutschland gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Zukunftsfähigkeit der regionalen Produktion stärken. Gerade für das bevölkerungsreichste Bundesland müssen essenzielle Strukturen erhalten bleiben.

Verlässliche Rahmenbedingungen für die nächste Generation 
Auf der Verbraucherseite bewegen sich zentrale Trends wie Gesundheit & Wellness sowie Convenience auf Augenhöhe mit Nachhaltigkeitsthemen. Konsumenten sind bereit, für Produkte mit geschmacklichem, funktionalem oder ernährungsphysiologischem Mehrwert höhere Preise zu zahlen. Gleichzeitig bleibt das Niedrigpreissegment im Lebensmitteleinzelhandel weiterhin präsent. „Auch wenn die Themen Tierwohl und Klima derzeit aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung für manche Verbraucher nicht an erster Stelle stehen, sind die NRW-Milchbetriebe gut aufgestellt, um den hohen Anforderungen und Standards von Gesellschaft und Handel gerecht zu werden und nachhaltig in einer Gunstregion zu wirtschaften“, erklärte Hans Stöcker, rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW. Dafür seien jedoch dringend verlässliche und belastbare Rahmenbedingungen erforderlich – insbesondere mit Blick auf die nächste Generation.

NRW-Milchmarkt kompakt
Die in NRW konventionell erzeugte Milchmenge (Jan.-Okt. 2025) ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,9% gesunken und bewegt sich damit leicht unterhalb der Bundesebene (-0,3%). Allerdings hat die Milcherzeugung in den letzten 2 Monaten von 2025 deutlich zugelegt, so dass für das gesamte Jahr 2025 von einer leicht höheren Milcherzeugung als 2024 auszugehen ist. Die Verbraucherpreise für Milchprodukte haben bei durchweg positiven Absatzzahlen insgesamt moderat angezogen; Quark, Käse und Sahne sogar deutlich. Seit Ende 2025 sind die Verbraucherpreise für Konsummilch drastisch gesunken und liegen deutlich unter 1 €/Liter. Bis Ende September rangierte geformte Butter an der Börse auf einem immer noch hohen Niveau im Vergleich zu den Vorjahren. Der Preis für 250g Markenbutter (Handelsmarke) ist bis zum dritten Quartal (Jan.-Okt. 2025) im Vorjahresvergleich um 8,2 % gestiegen und war mit 2,10 € auf einem guten Niveau. Umso bemerkenswerter zeigt sich seit September - bis heute anhaltend - ein rasanter Preissturz auf derzeit unter einen Euro. Bei Magermilchpulver lagen die Notierungen in 2025 auf sehr niedrigem Niveau, deutlich unter den Vorjahren. Trotzdem konnte in NRW ein moderater Produktionszuwachs verzeichnet werden (+6,6% bei Trockenmilcherzeugnissen/Molkenpulver). In Bezug auf die Verarbeitung bei den Molkereien in NRW fällt auf, dass in 2025 mehr Biomilch (+28,9%) und weniger Käse (-7,2%) im Vergleich zum Vorjahr produziert wurden. Der Auszahlungspreis liegt im Zeitraum Jan. bis Okt. 2025 in NRW bei 52,20 Cent/kg konventioneller Milch (4,0% Fett/3,4% Eiweiß) und weist somit ein deutliches Plus von 16,3% gegenüber dem Vorjahr auf. Der Biomilchpreis befand sich im selben Zeitraum bei 62,43 Cent/kg bei einem deutlichen Plus von 15,5% über dem Vorjahr.  


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Frank Maurer

Tel. 02151 4111-410
Mail maurer(at)milch-nrw(dot)de

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